Anime-Fans kennen seine Geschichten auf der ganzen Welt: Naoki Urasawa schuf unter anderem "Monster" und "20th Century Boys" und zeichnete mit "Pluto" seine eigene Interpretation einer Geschichte aus dem "Astro Boy"-Universum.
Nun meldet sich der 65-jährige Japaner mit einem völlig neuen Manga zurück. Am 12. August startete in Japan "The Final Manga Classroom" („Saigo no Manga Kyōshitsu“). Die Serie erscheint im "Big Comic Original Zōkan" des japanischen Verlags Shogakukan.
Besonders brisant ist das Thema. Bereits bei der Ankündigung wurde eine Welt angedeutet, in der künstliche Intelligenz allgegenwärtig geworden ist. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welchen Wert menschliche Kreativität und Handarbeit in einer Zeit noch haben, in der Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen können.
Damit greift ausgerechnet einer der bekanntesten Mangaka der Welt eine Debatte auf, die Zeichner, Autoren und Verlage derzeit beschäftigt. KI kann mittlerweile Bilder, Comics und ganze Geschichten generieren – und stellt damit eine Branche vor völlig neue Fragen.
Urasawas neues Werk setzt offenbar genau dort an. Die ursprüngliche Ankündigung stellte der modernen "Bequemlichkeit" jene Dinge gegenüber, die Menschen über lange Zeit mit ihren eigenen Händen erschaffen haben.
Dass sich gerade Urasawa diesem Thema widmet, dürfte für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen. Der Japaner arbeitet seit den 1980er-Jahren als Mangaka und zählt längst zu den international bekanntesten Vertretern seiner Zunft.
Sein wohl berühmtestes Werk ist "Monster". Der Psychothriller erzählt die Geschichte des japanischen Neurochirurgen Kenzo Tenma, dessen Entscheidung, einem Jungen das Leben zu retten, dramatische Konsequenzen hat. Aus dem Manga entstand später eine 74 Folgen lange Anime-Serie.
Auch "Pluto" dürfte vielen jüngeren Anime-Fans ein Begriff sein: Die Adaption seiner Science-Fiction-Geschichte erschien 2023 weltweit bei Netflix.
Ganz von seiner bisherigen Arbeit verabschiedet sich Urasawa für sein neues Projekt übrigens nicht. Parallel arbeitet er weiterhin an seiner laufenden Manga-Serie "Asadora!".
Mit "The Final Manga Classroom" stellt er nun aber eine Frage, die für seine eigene Branche kaum aktueller sein könnte: Was bleibt vom Künstler, wenn plötzlich auch die Maschine zeichnen kann?