Ein Fall, der sprachlos macht

Mann holt Frau nach Wien – Sie erlebt langes Martyrium

Sirinda (52) lernte vor über 20 Jahren einen Wiener kennen – er wollte sie heiraten. Doch der Mann schlug sie und die gemeinsamen Kinder.
Wien Heute
02.01.2026, 10:13
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Die "16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen" – eine internationale Kampagne, die alljährlich von 25. November bis 10. Dezember läuft – sind vorbei. Doch das Thema ist das ganze Jahr über brandaktuell.

Gerade in der Bundeshauptstadt sind die Fallzahlen hoch: Im Jahr 2024 wurden in Wien insgesamt 4.019 Betretungs- und Annäherungsverbote von der Wiener Polizei ausgesprochen – das entspricht 27,5 % aller Betretungs- und Annäherungsverbote in Österreich (14.600). Auch der 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt verzeichnete 9.824 Beratungskontakte.

Wiener wollte sie heiraten

Hilfe erhalten Frauen mit Gewalterfahrungen an mehreren Stellen – der "hafen" der Volkshilfe Wien ist eine davon. Das Projekt in Wien-Döbling bietet Frauen mit und ohne Kindern, Studentinnen und Seniorinnen 29 Ein- bis Drei-Zimmer-Apartments zwischen 30 und 85 Quadratmetern sowie neun WG-Zimmer. Die Miete ist fix und inkludiert sämtliche Nebenkosten wie etwa jene für Energie.

Auch Sirinda (Name geändert) hat hier seit dem Frühjahr 2023 Zuflucht gefunden. Vor über 20 Jahren lernte die heute 52-Jährige in einem kleinen Dorf am Indischen Ozean einen Wiener kennen. Der Mann bot ihr an, sie zu heiraten und nach Österreich zu holen.

Schläge wegen Muttersprache

In Wien angekommen, erlitt Sirinda ein jahrzehntelanges Martyrium: Ihr Ehemann nahm ihr sofort sämtliche Dokumente ab, verbot ihr, die Wohnung zu verlassen und schüchterte sie immer wieder ein. Da sie die Sprache nicht verstand, glaubte sie ihrem Mann alles – auch Angst spielte eine große Rolle.

Nach zwei Jahren kam die erste Tochter (heute 18 Jahre) zur Welt. Sirinda wollte mit ihrer Tochter in ihrer Muttersprache sprechen, doch ihr Mann lehnte dies ab. Als sie es doch tat, schlug er sie. Knapp drei Jahre später wurde die zweite Tochter (heute 14 Jahre) des Paares geboren.

Flucht ins Frauenhaus

All die Jahre ertrug Sirinda die Gewalttätigkeiten und Grausamkeiten ihres Mannes. Doch als die ältere Tochter in die Pubertät kam, begann er, auch die Kinder zu schlagen. An diesem Punkt beschloss Sirinda, zu flüchten. Gemeinsam mit ihren Töchtern kam sie in einem Frauenhaus unter. Sie zeigte ihren Mann an, dieser wurde auch verurteilt.

Seit 1,5 Jahren lebt die 52-Jährige nun mit ihren Kindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im "hafen" der Volkshilfe Wien. Die ältere Tochter absolviert derzeit eine Lehre und ist aktuell auf Wohnungssuche. Die jüngere besucht eine Schule.

Hilfe für Gewalt-Betroffene

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

Gewaltschutzzentren: 01 / 585 32 88

Weisser Ring: 0800 112 112

Untersuchungsstelle für Gewaltbetroffene der MedUni Wien: 01 / 40160 - 35700

„Sie ist trotz der Erfahrungen eine aufgeschlossene, humorvolle und herzliche Frau“
Eva Szigetvari"hafen"-Leiterin

Sirinda will den Weg in ein selbstständiges Leben finden: "Sie ist trotz der Erfahrungen eine aufgeschlossene, humorvolle und herzliche Frau, die sich neben ihren eigenen oftmals auch um die Kinder der Nachbarinnen kümmert", weiß "hafen"-Leiterin Eva Szigetvari.

Seit sie im "hafen" gelandet ist, besucht die 52-Jährige Deutschkurse: "Mit Unterstützung unseres Teams hat sie ihre erste Arbeitsstelle in Österreich gefunden", freut sich Szigetvari. Sirinda arbeitet derzeit 30 Stunden in der Gastronomie, möchte aber bald auf Vollzeit aufstocken. Ihr größter Wunsch: eine eigene Wohnung. Mit ihrer Ausdauer und ihrem Optimismus wird sie dieses Ziel mit Sicherheit erreichen.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 02.01.2026, 10:25, 02.01.2026, 10:13
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