Der Tatort liegt im Viertel El Rocío in der Provinz Huelva. Kurz nach 22 Uhr fielen plötzlich mehrere Schüsse, abgefeuert von zwei Unbekannten, die auf einem Motorrad unterwegs waren. Für die drei Opfer kam jede Hilfe zu spät.
Wie 20 Minuten berichtet, handelt es sich bei den Getöteten um eine 39-jährige Frau im achten Monat schwanger, ihre 62-jährige Mutter und einen 16-jährigen Jugendlichen. Das ungeborene Kind der werdenden Mutter überlebte den Angriff ebenfalls nicht. Laut dem Sender "Canal Sur" sollen die beiden Frauen mit dem örtlichen Kriminellen "El Baba" verwandt sein.
Laut den Ermittlern könnte die Tat eine Folge von Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Drogenbanden sein. Wie spanische Medien berichten, kam es bereits im September 2024 zu einer Schießerei, die als Auslöser für eine ganze Welle an Gewalt gilt. Das Viertel wurde seither immer wieder zum Schauplatz von Auseinandersetzungen.
Innerhalb von eineinhalb Monaten krachte es gleich dreimal zwischen verfeindeten Gruppen: Am 10. September 2024 wurde ein Mann mitten am Tag auf der Plaza Violeta von seinem Schwager erschossen, ein weiterer überlebte trotz Kopfschuss. Der mutmaßliche Täter, bekannt als "El Baba", kam einen Monat später in Gijón in Haft.
Doch auch die Festnahme brachte keine Ruhe. Die Familie des Opfers wollte offenbar nicht warten und suchte das Haus der Familie von "El Baba" auf. Es kam zu weiteren Schüssen, diesmal wurde zum Glück niemand getroffen. In den Wochen danach gab es mehrere Angriffe mit Langwaffen auf Häuser, die mit dem mutmaßlichen Täter in Verbindung stehen.
Die Polizei reagierte mit verstärkter Präsenz und Überwachung. Trotzdem hörte die Gewalt nicht auf. Im Juni des vergangenen Jahres wurde bei einer weiteren Schießerei in Isla Cristina ein Mann getötet und eine Frau schwer verletzt. Auch dieser Fall soll mit dem Bandenkrieg im Viertel Torrejón zu tun haben.
Nun wird geprüft, ob auch die Bluttat vom Sonntag ein weiterer Racheakt war. Der 16-jährige Bub, der ums Leben kam, hatte laut den Ermittlern allerdings weder mit den beiden Frauen noch mit dem Streit zu tun. Er sei einfach "zufällig dort vorbeigegangen", als die Schüsse fielen.
Bürgermeister Genaro Orta schilderte die Situation am Tatort als "grauenvoll" – überall lagen Patronenhülsen. Er zeigte sich tief betroffen und hoffte, dass es in den nächsten Tagen zu keinen weiteren Racheakten kommt. "Die Beunruhigung im Ort ist groß."
Auch der regionale Regierungschef Juanma Moreno zeigte sich entsetzt und nannte die Tat "unerträglich". Laut ihm dürfe der Drogenhandel in Andalusien nicht weiter um sich greifen. Er forderte die Zentralregierung auf, mehr Geld für die öffentliche Sicherheit locker zu machen.