Im neuen Nobelhotel Villa Florhof in Zürich geht es schon turbulent los. Noch bevor der erste Gast das Fine-Dining-Restaurant betreten konnte, verließen mehrere Köche das Team, berichtet "20 Minuten". Auch der bekannte Spitzenkoch Christian Jürgens, der eigentlich als Aushängeschild geholt wurde, warf vor der Eröffnung das Handtuch.
Für das geplante Gourmet-Lokal wird weiter ein Küchenchef gesucht. Die große Eröffnung ist erst für den Spätherbst geplant. Doch jetzt gibt es schon zum Auftakt negative Schlagzeilen. Auslöser ist ein Besuch der Gastro-Tester von Gault Millau. Das aufwendig renovierte Boutique-Hotel beeindruckt zwar optisch, doch bei einem Gericht müssen die Kritiker schlucken.
Stein des Anstoßes: Gyoza um 17 Euro in der Brasserie. Die kleinen Teigtaschen waren nicht selbst gemacht, sondern zugekauft und mit Hühnerfleisch aus Thailand gefüllt, heißt es im Bericht. Auch die Ponzu-Sauce kam aus dem Großhandel. "Geht's noch?", schreiben die Tester. Für Gault Millau passt das überhaupt nicht zum Anspruch des Hauses.
Das Urteil fällt deutlich aus: "Convenience Food mit Billig-Geflügel" sei unter der Würde der Villa. Das Gericht müsse so schnell wie möglich von der Karte verschwinden. Die Kritik blieb nicht ohne Folgen. Laut "20 Minuten" waren die Gyoza am Montagmorgen noch auf der Speisekarte zu finden, kurz darauf wurden sie entfernt.
Gegenüber dem "Blick" verteidigt der Florhof zunächst die bisherige Praxis. Man lege Wert auf Transparenz, die Herkunft des Hühnerfleischs sei auf der Karte klar deklariert gewesen. Auch der Preis von 17 Euro sei entsprechend gewählt worden. Gleichzeitig betont das Hotel, dass sich die Brasserie-Karte in der Eröffnungsphase laufend weiterentwickle.
Ganz schlecht kommt der Florhof aber nicht weg: Besonders die Cannelloni mit Schweizer Black Angus haben die Tester von Gault Millau überzeugt. Auch der Weinkeller bekommt viel Lob – rund 3.000 Positionen hat Mitbesitzer Silvio Denz zusammengestellt. Gemeinsam mit Unternehmer Peter Spuhler steckt er hinter dem Luxushotel.
Geleitet wird die Brasserie von John Schiffmann (früher beim Buech in Herrliberg) und Christian Hoffmann (ehemals beim Adlon in Berlin). Neben den mittlerweile gestrichenen Gyoza stehen dort etwa Tatar mit Kaviar, Eierschwammerl mit geräuchertem Saibling oder Wiener Schnitzel auf der Karte. Die beiden Küchenchefs hoffen nun, dass in Zukunft wieder ihre eigenen Kreationen für Schlagzeilen sorgen.