Dramatische Szenen am Sonntagabend im Schladminger Untertal: Gegen 20.45 Uhr wurde die Feuerwehr Untertal-Rohrmoos nach einem schweren Unwetter alarmiert. Eine Gewitterzelle hatte sich rund 45 Minuten lang mit voller Wucht über dem Gebiet entladen. Die enormen Regenmengen lösten wenig später einen massiven Murenabgang aus.
Besonders betroffen war die Untertalstraße im Bereich der "Wilde Wasser"-Mautstation. Auf einer Länge von mehr als 600 Metern wurde die Straße von Geröll, Schlamm und Wasser vermurt. Ein Weiterkommen war nicht mehr möglich.
Durch den Murenabgang wurden 30 Personen eingeschlossen. Dabei handelte es sich zum Großteil um Touristen, dazu kamen Hüttenbetreiber und Personal aus den Betrieben im Tal. Die Feuerwehr und die Bergrettung rückten aus, um die Menschen aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Mit einem Geländewagen und einem Kleinlöschfahrzeug wurden die Eingeschlossenen evakuiert.
Verletzt wurde zum Glück niemand. Alle Personen konnten wohlbehalten in Sicherheit gebracht und später von der Feuerwehr in ihre Unterkünfte begleitet werden.
"Für die Gäste war es sehr aufregend", sagt Hermann Zechmann, Kommandant der Feuerwehr Untertal-Rohrmoos, gegenüber der "Kleinen Zeitung". Die Einsatzkräfte waren an diesem Abend bereits vorbereitet. "Wir haben an diesem Tag mit Unwettern gerechnet und befanden uns schon in Bereitschaft", erklärt Zechmann.
Glück im Unglück: Ein Einsatzleiter der Feuerwehr war zufällig privat vor Ort auf der Waldhäuslalm. Er erkannte die gefährliche Lage sofort, setzte die nötigen Schritte und alarmierte seine Kameraden. In der Gegend kommt es laut Feuerwehr immer wieder zu Murenabgängen. Diese Mure sei laut Zechmann aber "wirklich massiv" gewesen.
Auch auf der Waldhäuslalm war die Lage angespannt. Die Hütte befindet sich ganz in der Nähe der "Wilde Wasser"-Mautstation. Ilse Zechmann betreibt sie gemeinsam mit ihrer Schwester. Für sie war es nicht der erste Murenabgang in diesem Gebiet. Insgesamt hat sie dort bereits drei Muren erlebt.
"Für unsere Gäste war es sehr aufregend. Wir haben sie beruhigt und sie informiert, dass wir ausharren müssen, bis die Feuerwehr kommt", erzählt sie im Gespräch.
Die Hilfe kam rasch. "Die Evakuierung ist super abgelaufen. Es kam niemand zu Schaden, die Gäste mussten ihre Autos aber drinnen stehen lassen", berichtet die Hüttenwirtin. Für den Betrieb bedeutet der Murenabgang dennoch eine Zwangspause. Die Waldhäuslalm bleibt vorerst geschlossen. Bis die Straße wieder frei ist, wird es noch dauern.
Auch Georg Masten, Wirt vom Gasthaus "Weiße Wand", ist betroffen. Sein Betrieb liegt noch weiter hinten im Tal. Er wurde von der Waldhäuslalm über den Murenabgang informiert und machte sich selbst ein Bild der Lage. "Danach bin ich sofort rausgefahren und habe die Lage erkundet. Als ich die Ausmaße gesehen habe, bin ich schnell zurück", erzählt er.
Bei schweren Unwettern ist sein Gasthaus teilweise von Handyempfang und Internet abgeschnitten. Deshalb reagierte Masten rasch. "Ich habe mir deshalb sofort meine Gäste geschnappt und bin mit ihnen raus zur Waldhäuslalm gefahren", berichtet der Wirt.
Masten ist seit bald 20 Jahren im Untertal tätig. Murenabgänge sind für ihn keine Seltenheit. Trotzdem ist sowas für Urlauber belastend. "Für die Gäste ist es natürlich eine Ausnahmesituation. Aber zum Glück sind alle entspannt geblieben", sagt er.
Insgesamt standen 26 Kräfte der Feuerwehr Untertal-Rohrmoos im Einsatz. Unterstützt wurden sie von der Feuerwehr Schladming und der Bergrettung Schladming. Auch die Polizei war vor Ort. Gegen Mitternacht konnten die Einsatzkräfte wieder einrücken.
Nach Absprache mit dem Katastrophenschutz wurde die Untertalstraße bis auf Weiteres gesperrt. Auch der Wanderweg ab dem Gasthof Tetter ist derzeit nicht begehbar. Für den Bereich gilt ein Betretungsverbot.