Vinicius Junior brauchte nicht viele Worte. "Lasst sie uns packen!", rief der Stürmerstar von Real Madrid - und der Ton war gesetzt für das Gigantenduell in der Champions League mit dem FC Bayern. Sind die Königlichen der Angstgegner der Münchner, so ist "Vini jr." ihr personifiziertes Schreckgespenst.
Im Halbfinale 2024 machte Vinicius mit Rechtsverteidiger Joshua Kimmich, was er wollte. Im Hinspiel (2:2) erzielte er beide Real-Tore, im Rückspiel (2:1) leitete sein Schuss den späten Ausgleich ein. "Einer der besten Dribbler und Eins-gegen-eins-Spieler in Europa", nannte Kimmich ihn damals. Daran hat sich nichts geändert, im Gegenteil.
"Ich befinde mich in der Blütezeit meiner Karriere", sagte Vinicius vor wenigen Tagen. Sein Trainer Álvaro Arbeloa nannte ihn "unaufhaltsam". Unter dem Nachfolger von Xabi Alonso, mit dem Vinicius über Kreuz lag, trifft er wieder wie gewohnt. In den Playoffs gegen Benfica Lissabon erzielte er zwei der drei Real-Treffer, im Achtelfinale zerstörte er per Doppelpack im Rückspiel die Träume von Manchester City, das Madrider Derby gegen Atlético entschied er ebenfalls mit zwei Toren.
Aber da ist auch diese andere Seite. Vinicius polarisiert mit seiner Spielweise extrem. "Ein toller Spieler", sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei Sky90, "provoziert aber ohne Ende. Wenn man ihn dann mal richtig packt, beschwert er sich nur, dann weint er."
Auch abseits des Rasens, wie bei der Vergabe des Ballon d'Or 2024, als der Topfavorit sich übergangen fühlte - Vinicius und ganz Real blieben der Gala daraufhin fern. Ein Imageschaden? Nicht finanziell. Vinicius hat 14 lukrative Werbedeals, mit Weltmarken wie Nike, Pepsi oder Boss, zuletzt wurden in Brasilien Vini-Flip-Flops präsentiert.
Der 25-Jährige hat seinem "Idol" Neymar längst den Rang des größten aktiven Fußballers abgejagt, im WM-Spot des Spielzeugherstellers Lego werkelt er mit den Weltstars Messi, Ronaldo und Mbappé am Goldpokal aus Klemmbausteinen. Den echten Cup sieht er als Ziel. "Ich habe bereits eine WM gespielt und möchte nicht noch mal verlieren."
Seinen größten Kampf kämpft er gegen den Rassismus in den Stadien, im Netz. Aufgrund der wiederkehrenden Anfeindungen verliere er "mehr und mehr die Lust am Spielen", sagte der UNESCO-Botschafter, der sich mit seiner Stiftung ("Vini Jr. Institute") für Chancengleichheit in der Bildung engagiert, 2023. Doch statt zu resignieren hat er sich vorgenommen, "möglichst viele Tore zu schießen, sonst würde ich den Rassisten geben, was sie wollen".
Trainer Arbeloa nennt Vinicius einen "jungen Mann, der keine Angst kennt". Schon gar nicht auf dem Platz - auch nicht vor den Bayern. "Wenn Real Madrid in diesem Wettbewerb spielt", sagte er, "ändert sich alles. Wir sind bereit für mehr, für alles, was kommt."