Selten sah man Kylian Mbappé derart emotional. Erst schrie der Superstar Paraguays Torhüter Orlando Gill an, dann brüllte er Richtung Fans. Nach dem Abpfiff platzte alles heraus, was sich in mehr als 90 Minuten, in denen der Deutschland-Schreck die Franzosen mit allen Mitteln bekämpft hatte, aufgestaut hatte.
"Wenn wir uns die Hände schmutzig machen müssen, dann machen wir uns die Hände schmutzig", sagte der Torjäger, der Frankreich mit einem verwandelten Foulelfmeter ins Viertelfinale geführt hatte. "Sie wollten nur kämpfen. Wir können auch dreckig spielen, aber waren trotzdem besser als sie." Trainer Didier Deschamps warf dem Gegner vor, "endlos viel" gefoult zu haben.
Neben der Hitze in Philadelphia bereitete dem WM-Favoriten vor allem die ruppige Gangart Paraguays einige Probleme. Mbappé, der von Deschamps nach dem Sieg (1:0) beruhigt werden musste, dürfte Genugtuung verspürt haben. "Das ist ihr Fußball. Jeder kämpft mit seinen Waffen", sagte der Starstürmer. "Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur Offensivfußball spielen können."
Dass der überforderte Schiedsrichter Ilgis Tantaschew (Usbekistan) den Südamerikanern trotz mehrerer Unsportlichkeiten keine Gelbe Karte gezeigt hatte, stieß auf Unverständnis. Die Franzosen, die am Donnerstag (22.00 Uhr MESZ) in Boston auf Marokko treffen, behielten dennoch die Nerven.
"Zur Schiedsrichterleistung habe ich nichts zu sagen", schimpfte Rayan Cherki: "Wie viele Fouls waren es? 30? 40? Und keine einzige Gelbe Karte?" Der frühere Bundesliga-Referee Patrick Ittrich sprach von der "schlechtesten Schirileistung dieser WM". Als Unparteiischer "hast du das Spiel zu managen, das ist hier komplett in die Hose gegangen", sagte er bei MagentaTV.