Ein heftiges Gewitter hat an der kroatischen Adriaküste ein seltenes Naturschauspiel ausgelöst. Urlauber wurden Zeugen eines sogenannten Meteotsunamis, bei dem der Meeresspiegel innerhalb kurzer Zeit erst stark anstieg und anschließend deutlich absank.
Auslöser war eine kräftige Gewitterfront, die zuvor bereits in Norditalien mit teils bis zu acht Zentimeter großen Hagelkörnern für Unwetter gesorgt hatte. Als sie Kroatien erreichte, wurden im Süden Istriens und auf der Insel Lošinj Windgeschwindigkeiten von bis zu 32 Metern pro Sekunde gemessen.
An mehreren Orten trat das Meer über die Ufer, darunter auch in den beliebten Urlaubsorten Pula und Zadar. Besonders eindrucksvoll war das Schauspiel gegen 23 Uhr im historischen Küstenstädtchen Stari Grad.
Dort stieg der Meeresspiegel zunächst um rund 30 Zentimeter an. Die Uferpromenade wurde überflutet, das Wasser drang teilweise bis zu den Häusern vor. Wer nicht rechtzeitig reagierte, bekam nasse Füße.
Wenig später kehrte sich die Situation völlig um. Das Wasser zog sich plötzlich rund 60 Zentimeter unter den Normalstand zurück. Im flachen Hafen saßen zahlreiche Boote plötzlich auf dem Trockenen.
Ein Bewohner schilderte die Szenen gegenüber "Dalmacija Danas": "Die Touristen, die dieses Phänomen wohl zum ersten Mal erlebten, waren am meisten überrascht. Manchen reichte das Wasser bis zu den Knien, und sie rannten vor den Fluten davon. Bei Ebbe berührten die Boote schließlich den Meeresgrund. Mitten im Sommer war das sicherlich ein sehr interessantes Schauspiel."
Ein Meteotsunami entsteht nicht durch ein Erdbeben oder einen Vulkanausbruch, sondern durch rasche Änderungen des Luftdrucks. Diese können starke Schwankungen des Meeresspiegels auslösen. Besonders häufig tritt das Phänomen in langgezogenen, flachen Buchten auf, wenn diese in Richtung der ankommenden Welle ausgerichtet sind.