Kommt das nächste Mega-Beben in Kalifornien ("Big One") früher als gedacht? Eine neue Studie internationaler Forscher sorgt für Aufsehen. Demnach haben die tektonischen Spannungen entlang wichtiger Verwerfungen bei Los Angeles inzwischen historische Höchstwerte erreicht.
Im Fokus steht der sogenannte Cajon-Pass nordöstlich von Los Angeles. Dort treffen die berühmte San-Andreas-Verwerfung und die San-Jacinto-Verwerfung aufeinander. Genau dieser Bereich könnte laut den Wissenschaftern eine Schlüsselrolle beim nächsten Großbeben spielen.
Seit dem verheerenden Fort-Tejon-Erdbeben von 1857 mit einer Magnitude von 7,9 hat sich entlang der Verwerfungen über Jahrzehnte enorme Spannung aufgebaut. Diese könnte sich schlagartig entladen.
Unter der Leitung von Liliane Burkhard von der Universität Bern analysierte ein internationales Forscherteam die Erdbebengeschichte der vergangenen 1.000 Jahre. Dafür entwickelten die Experten ein komplexes Modell, das die Entwicklung der Spannungen entlang der Verwerfungen simuliert.
Das Ergebnis: Die Belastung hat inzwischen die höchsten Werte des gesamten untersuchten Zeitraums erreicht - teilweise wurden frühere Spitzenwerte sogar überschritten.
Ein gemeinsamer Bruch der Verwerfungen hätte dramatische Folgen. Betroffen wären einige der am dichtesten besiedelten Regionen der USA, darunter Los Angeles, San Bernardino, Riverside und das Coachella Valley.
Zudem verlaufen wichtige Verkehrswege, Eisenbahnstrecken und Energieanlagen direkt durch den Cajon-Pass. Ein schweres Erdbeben könnte daher weitreichende Auswirkungen auf Infrastruktur und Versorgung haben.
Trotz der alarmierenden Ergebnisse betonen die Forscher, dass die Studie keine konkrete Erdbeben-Prognose darstellt. "Wir können nicht sagen, wann ein Erdbeben auftreten wird", erklärt Burkhard.
Die Modelle zeigten jedoch eindeutig, dass das System derzeit außergewöhnlich stark belastet sei. Das helfe Behörden und Experten dabei, Risiken besser einzuschätzen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen.