Am Liesingbach wird weiter kräftig umgebaut. Zwischen Atzgersdorfer Platz und Gutheil-Schoder-Gasse läuft derzeit die nächste Etappe des Großprojekts "Integrativer Hochwasserschutz Liesingbach". Der bisher stark verbaute Bach soll Schritt für Schritt naturnäher werden, gleichzeitig wird die Wasserqualität verbessert und der Hochwasserschutz ausgebaut.
Seit 2020 werden die verbliebenen 9,2 Kilometer des Gewässers renaturiert. Parallel dazu entsteht ein rund neun Kilometer langer Regenwasserkanal, der verschmutztes Oberflächenwasser künftig von der Liesing fernhalten soll.
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) erklärt: "Mit dem neuen Kanal schützen wir den Liesingbach vor verunreinigtem Regenwasser." Der erste Schwall von verschmutztem Regenwasser werde künftig aufgefangen und in die Kläranlage Simmering geleitet. Dadurch werde "die Wasserqualität nachhaltig verbessert und die Grundlage für die Renaturierung gelegt."
Im aktuellen Bauabschnitt entstehen insgesamt 2,8 Kilometer Regenwasserkanal, 2,3 Kilometer davon sind bereits fertig. Ein Teil der Leitungen wurde im sogenannten Microtunneling unterirdisch verlegt. Dadurch konnten unter anderem die U6-Hochstrecke und mehrere Brücken gequert werden, ohne die Oberfläche großflächig aufzureißen.
Entlang des Bachs entstehen gleichzeitig neue Lebensräume für Tiere und Erholungsflächen für die Bevölkerung. Geplant sind abwechslungsreiche Uferzonen mit Sand- und Schotterbänken sowie eine naturnahe Insel auf Höhe der Riegermühle. Sie soll künftig als Rückzugsort für Tiere dienen, aber auch für Besucher zugänglich sein.
Ein besonderes Projekt ist bereits abgeschlossen: Beim Steinsee wurde das sogenannte "Schwebende Grün" umgesetzt. Weil die Ufer dort dicht verbaut sind, wachsen künftig Kletterpflanzen über Rankseile direkt über dem Bach. Sie sollen das Mikroklima verbessern und an heißen Tagen zusätzliche Beschattung schaffen.
Auch die Begrünung wird weiter ausgebaut. Knapp 400 hitzetolerante Bäume – darunter Ahorn, Holzapfel und Silberlinde – sowie mehr als 600 heimische Sträucher werden entlang der Liesing gepflanzt. Bereits in den fertiggestellten Abschnitten wurden über 250 Bäume und Hunderte Sträucher gesetzt. Mit den Jahren sollen die Grünräume dichter werden und zusätzlichen Lebensraum für Tiere schaffen.
Gewässerstadträtin Ulli Sima (SPÖ) sieht darin einen doppelten Nutzen: "Die Liesing entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem naturnahen Erholungsraum mit hoher Aufenthaltsqualität, gleichzeitig verbessern wir durch die Renaturierung den Hochwasserschutz." Bereits jetzt könne man beobachten, „wie sich der Liesingbach auf voller Länge zu einem einzigartigen Naturjuwel entwickelt."
Auch bei den Bauarbeiten setzt die Stadt auf Nachhaltigkeit. Das bisher hart verbaute Flussbett wird entfernt und durch Schotter sowie natürliches Sohlsubstrat ersetzt. Die alten Pflastersteine werden direkt vor Ort zerkleinert und wieder im Bachbett eingebaut. Dadurch entfallen zahlreiche Lkw-Transporte und Material kann wiederverwendet werden.
Neben der ökologischen Aufwertung soll das Projekt auch den Hochwasserschutz auf den neuesten Stand bringen. Außerdem werden entlang der Liesing neue Grünflächen geschaffen und bestehende Uferbereiche erweitert.
Die Renaturierung wird gemeinsam von der MA 45, Wien Kanal und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz umgesetzt. Insgesamt fließen inklusive des Speicherbeckens Gelbe Haide rund 85 Millionen Euro in das Projekt. Davon trägt die Stadt Wien rund 67 Millionen Euro, der Bund beteiligt sich mit etwa 18 Millionen Euro. Der Abschluss der Arbeiten ist ab 2027 vorgesehen.