Tag des Notrufs

"Menschen glauben, dass wir im Rettungswagen..."

Zum Tag des Notrufs rückt die Gewerkschaft vida Rettungs- und Notfallsanitäter ins Rampenlicht - sie leisten oft unbeachtet lebenswichtige Arbeit.
André Wilding
14.04.2026, 15:37
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Am 14. April, dem Tag des Notrufs, rückt die Gewerkschaft vida jene Menschen in den Mittelpunkt, die täglich Leben retten: Rettungs- und Notfallsanitäter:innen. Sie sind rund um die Uhr im Einsatz – oft unter Zeitdruck und für Menschen in medizinischen und emotionalen Ausnahmezuständen. Gleichzeitig bleibt vieles, was diesen Beruf ausmacht, in der Öffentlichkeit unsichtbar. "Der Rettungsdienst und Krankentransport ist ein hochprofessioneller Bereich mit enormer Verantwortung. Trotzdem wird oft unterschätzt, was Sanitäter:innen leisten – und unter welchen Bedingungen sie arbeiten", betont Sylvia Gassner, Vorsitzende des vida-Fachbereichs Soziale Dienste und selbst Rettungssanitäterin.

Um Aufklärungsarbeit ging es daher in einer Kampagne, die die Gewerkschaft vida zum Tag des Notrufs umgesetzt hat. In fünf Videos sprachen Sanitäter:innen der unterschiedlichen Rettungsorganisationen über ihren Arbeitsalltag und ihre Anliegen. Im Zuge dessen gab es auch ein Gewinnspiel, an dem hunderte Menschen in ganz Österreich teilgenommen haben.

Zu gewinnen gab es mehrere Erste-Hilfe-Kurse sowie das Buch "Notfall, ist das ein Vorschlag?" von Bernd Kuttin. "Der Erfolg der Kampagne verdeutlicht: es gibt noch Aufholbedarf beim allgemeinen Wissensstand über den Beruf der Sanitäter:innen. Als Gewerkschaft sehen wir es daher weiter als unsere Aufgabe, die Themen und Probleme der Beschäftigten aufzuzeigen", so Gassner.

Überholte Ausbildung und Belastung im Job

Die Anforderungen im Rettungsdienst haben sich in den letzten Jahren stark verändert – die Ausbildung jedoch kaum. Moderne medizinische Geräte und steigende Anforderungen im Einsatzalltag verlangen nach neuen Kompetenzen. So wurde etwa der Defibrillator vom Ausnahmegerät zum Standard im Rettungsdienst. "Die technische Entwicklung ist rasant, die Ausbildung aber nicht mitgewachsen. Das passt nicht mehr zusammen", so Gassner.

Der Beruf im Rettungsdienst ist nicht nur körperlich fordernd, sondern auch psychisch belastend. Besonders Einsätze bei schweren Notfällen oder mit Kindern gehen oft über den Dienst hinaus. Viele Beschäftigte berichten, dass sie Erlebnisse aus dem Einsatz mit nach Hause nehmen. "Wer täglich mit Notfällen konfrontiert ist, braucht auch Möglichkeiten, um das zu verarbeiten. Das ist keine Schwäche, sondern Teil dieses Berufs", so Gassner. Ein großes Problem im Alltag vieler Einsatzkräfte sind auch Behinderungen im Dienst: fehlende Rettungsgassen, Beschimpfungen oder sogar das Filmen von Einsätzen. "Wenn wir auf dem Weg zum Einsatz behindert werden, geht wertvolle Zeit verloren. Dabei zählt oft jede Minute", so Gassner.

Erwartungen entsprechen oft nicht der Realität

Immer wieder kommt es zu falschen Erwartungen an die Arbeit von Sanitäter:innen. Dabei ist klar geregelt, welche Maßnahmen sie durchführen dürfen – und wo ärztliche Kompetenzen beginnen. Sanitäter:innen leisten Erste Hilfe, stabilisieren Patient:innen und unterstützen Ärzt:innen – sie ersetzen diese aber nicht. "Nicht selten glauben die Menschen, dass wir im Rettungswagen Operationen durchführen können, aber das übersteigt weit unseren Verantwortungsbereich. Wir brauchen hier klare Kompetenzabgrenzungen und realistische Erwartungen", betont Gassner.

Auch der Krankentransport erfordert qualifiziertes Personal. Viele Patient:innen sind in ihrer Mobilität eingeschränkt oder gesundheitlich instabil – ihr Zustand kann sich während der Fahrt jederzeit verschlechtern. Daher braucht es auch hier gut ausgebildetes Personal, das im Ernstfall sofort reagieren kann.

vida fordert konkrete Verbesserungen

Aus den Erfahrungen der Beschäftigten leitet die Gewerkschaft vida klare Forderungen ab:

▶ Moderne, zeitgemäße Ausbildung für Sanitäter:innen

▶ Klare Kompetenzabgrenzung zwischen Sanitäter:innen und Ärzt:innen

▶ Bessere Arbeitsbedingungen und Entlastung im Rettungsdienst

▶ Schutz vor Übergriffen und mehr Sicherheit im Einsatz

▶ Qualität statt Billiglösungen im Krankentransport

"Der Rettungsdienst funktioniert nur mit den Menschen, die darin arbeiten. Um den Beruf bestmöglich ausüben zu können, brauchen sie moderne Ausbildung, gute Arbeitsbedingungen und Respekt", so Gassner.

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