Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa ein umstrittenes Ziel verkündet: In den nächsten drei Jahren sollen 80 Prozent der über 700.000 syrischen Geflüchteten in Deutschland in ihre Heimat zurückkehren.
Merz betonte, dass dies der Wunsch des syrischen Präsidenten sei. Der Bürgerkrieg in Syrien sei zu Ende, und es gebe grundsätzlich die Perspektive einer Rückkehr. Doch Experten schlagen Alarm.
Laut n-tv.de warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft vor massiven Folgen für die Gesundheitsversorgung. 5.745 syrische Ärzte arbeiten derzeit in deutschen Krankenhäusern – sie bilden die größte Gruppe unter den ausländischen Medizinern.
"Sie haben damit eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung", sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Henriette Neumeyer. Zusätzlich arbeiten mehr als 2.000 syrische Pflegekräfte in deutschen Spitälern.
"Würden diese Fachkräfte wieder das Land verlassen, hätte dies spürbare Auswirkungen auf die Versorgung", so Neumeyer. "Eine Rückkehr zu forcieren, wäre aus Sicht der Gesundheitsversorgung nicht produktiv."
Auch in der Politik stößt der Vorstoß auf Widerstand. SPD-Vizechefin Anke Rehlinger nannte es "keine kluge Idee", konkrete Zahlen zu nennen, weil das Erwartungen wecke, die Merz womöglich nicht einhalten könne.
CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter bezeichnete das Signal als "in mehrfacher Hinsicht problematisch". Hohe Erwartungshaltungen seien innenpolitisch ungünstig, weil rechtspopulistische Parteien darauf zurückgreifen könnten.
Die Grüne Luise Amtsberg nannte den Auftritt "beschämend": "Damit verunsichert er Hunderttausende Deutsch-Syrer, die den Eindruck erhalten, dass sie in den kommenden Jahren Deutschland wieder verlassen müssen."
Der Migrationsforscher Daniel Thym hält das 80-Prozent-Ziel für "völlig unrealistisch". Bislang seien nur wenige Tausend Syrer freiwillig zurückgekehrt – warum sich das ändern sollte, bleibe unklar.