Zehn Krieger und ein Genie – so würde ich Argentinien beschreiben. Bei dieser Mannschaft kann man es sich auf der Couch nie gemütlich machen. Da gibt es zu viel Action. Gegen England legten sie dreckig los, dann standen sie wieder vor dem Aus, zogen mit Leidenschaft und Messis unglaublicher Gabe verdient in das WM-Finale ein.
Dort wartet Spanien – und ein ganz anderes Match als gegen England. Rodri, Olmo und Co. sind mit dem Ball besser als die Briten. Sie werden versuchen, die Argentinier im Mittelfeld müde zu spielen – in den Beinen und auch im Kopf.
Spielen sie wie gegen Frankreich, dann wird Spanien Weltmeister. Für mich war das perfekt. Kein anderes Land kann da mithalten. Argentinien wird es versuchen – mit versteckten Fouls, ihrer Mentalität, den Fans und mit dem Faktor Messi. Wir erleben ein würdiges Finale dieser Fußball-WM.
Hier mein großer Final-Vergleich zwischen Spanien und Argentinien.
Simon ist der bessere Fußballer. Er spielt gut mit, steht hoch, erinnert mich an Ter Stegen. Auch seine Chip- und Diagonalbälle sind stark. Martinez liebt Psychospiele, ist erfahrener und auf der Linie einen Tick stärker.
Spielerisch ist Cubarsi besser. Mir taugt er – auch bei "Barca", das als Team hoch steht, überzeugt er. Mit 19 Jahren ist er sehr abgeklärt. Romero ist der argentinische Turm, extrem wichtig, aber auch immer für ein schmutziges Foul gut. Er hatte keine einfache Saison bei Tottenham, ist jetzt voll da.
Beide sind Linksfüße, beide top im Spielaufbau. Martinez ist nur 1,75 m groß – mini für einen Innenverteidiger. Sein Wille und das Timing in der Luft sind dafür riesig. Cannavaro war auch kein Riese und schaffte es mit 1,76 m zum Weltfußballer.
Ich war nie der große Cucurella-Fan, sah ihn vor der WM als möglichen Schwachpunkt im spanischen Team. Bei der WM liefert er ab, den Transfer zu Real Madrid hat er sich mehr als verdient. Tagliafico ist stabil.
Nach vorne ist Porro besser und auch für Tore gut. Molina hat wie viele Argentinier das Atletico-Gen. Steht gut im Block, setzt dann Nadelstiche nach vorne.
Bei der Drecksarbeit macht Paredes keiner was vor – er stopft Räume, teilt aus. Er ist einer der wichtigsten Arbeiter von Messi. Rodri ist das Hirn bei Spanien. Er wird besser und besser bei dieser WM.
De Paul ist der Bodyguard von Messi – auf und neben dem Platz. Am Rasen zerstört er am liebsten. Ruiz rutschte für Pedri in die Startelf, glänzt mit dem Ball. Wie er abkippt, Dreiecke bildet, immer anspielbar ist, Überzahl schafft – ein Genuss!
Für mich zählt Olmo zu den Top-3-Spielern dieser WM. Sein erster Kontakt ist oft perfekt, dazu die Drehungen mit Ball. Er bewegt sich geschickt zwischen den Linien, macht Spanien schwer ausrechenbar. Als Verteidiger hast du immer die Qual der Wahl: Gehst du mit ihm mit, öffnest du Räume – zum Beispiel für Yamal. Fernandez ist ein argentinischer Schlüsselspieler – ein torgefährlicher Krieger. Er hat das Spiel gegen Ägypten entschieden, jetzt das 1:1 gegen England erzielt.
Ein topfitter Nico Williams wäre noch stärker links bei Spanien als Baena. Mac Allister geht bei den "Gauchos" voran – ein Leader. Im Abschluss verfolgt ihn bei der WM noch das Alu-Pech.
Yamal hat noch nicht geglänzt bei dieser WM – sein Potenzial ist gigantisch. Er kann jederzeit explodieren. Lionel Messi ist jetzt schon der MVP dieser WM, der zweite WM-Titel wäre die Krönung. Er hat viele Kritiker Lügen gestraft. Messi ist Messi.
Klug, nicht greifbar, toller linker Fuß! Spanien-Stürmer Oyarzabal wird schwer unterschätzt. Es tut mir weh, dass er bei Real Sociedad spielt. Er hat das Zeug zu mehr. Alvarez wird nicht umsonst von Barcelona gejagt. Ihn zeichnet vor allem seine Schusstechnik mit rechts aus.