Sein Bolide blieb zwar bei dem Crash auf dem Boden, doch sein junger Verursacher scheint völlig abgehoben. Der russische Millionärssohn hatte Mittwochnachmittag in Nischni Nowgorod (rund 400 km östlich von Moskau) das Gaspedal seines Wagens durchgetreten – und rauschte in einer Kurve in den Gegenverkehr.
Ein Video der Ermittlungsbehörden zeigt, wie sein sonnengelbes Mercedes SL Cabriolet gegen einen Kia und einen Nissan kracht. Wie durch ein Wunder blieben alle Beteiligten unverletzt.
Nicht der Unfall – mutmaßlich unter Alkoholeinfluss –, sondern die Identität und das Verhalten des jungen Fahrers danach sorgen nun für Aufruhr und Schlagzeilen in russischen Medien. Bei dem Crash-Lenker soll es sich um Sergei Kornilow Jr., den 21-jährigen Sohn eines 2024 verstorbenen Großunternehmers, handeln. Kornilow Senior zählte vor seinem Ableben zu den wohlhabendsten Männern der Region – sein Sprössling prahlt in den Sozialen Medien gerne mit dem geerbten Reichtum und seinem verschwenderischen Lebensstil.
Dieser scheint ihm zu Kopf gestiegen sein: Offenbar war seine erste Idee nach dem Crash, sich auf die Motorhaube seines demolierten Mercedes zu legen und mit Sieges-Geste grinsend für Fotos zu posieren. Im Hintergrund sind seine Unfallopfer zu sehen, ihre Wracks liegen noch unbewegt auf der Fahrbahn. "Reiche Kinder sterben nicht", soll er laut NewsNN.ru und anderen Portalen gejohlt haben.
In einer Videobotschaft an seine "armen" Follower demonstrierte er Gelassenheit: "Seid nicht beleidigt, dass ihr euch so ein Auto nicht leisten könnt. Alles ist gut". Er könne sich locker einen neuen Wagen kaufen und besitze einen ganzen Fuhrpark: "Ich habe noch einen roten Ferrari mit dem Kennzeichen 001".
Eine Aussage von Kornilow Jr., lässt die Russen kochen: Als Teil des obersten 1 Prozents habe er auch vor den Behörden nichts zu befürchten. "Niemand wird ins Gefängnis kommen, niemand ist verantwortlich. Das ist schließlich Russland."
Am Abend nach dem Crash wurde er schlafend – mutmaßlich veritabel berauscht – in einem der teuersten Restaurants der Stadt gesichtet. Nutzer sozialer Medien rieten dem "reichen Bengel", sich lieber in die Notaufnahme einzuchecken. Sie forderten zudem die Strafverfolgungsbehörden auf, die Handlungen des jungen Mannes zu untersuchen.
Laut Angaben des Innenministeriums hat der junge Millionärs-Spross seit 2025 insgesamt 161 Bußgelder aufgebrummt bekommen. 51 davon wegen säumiger Zahlungen vorheriger Strafen – in Summe geht es laut Новости Mail um 719.000 Rubel (circa 8.700 Euro). Den Großteil davon soll er inzwischen beglichen haben, aber ein Gericht prüft derzeit Abmahnungen wegen Ordnungswidrigkeiten, heißt es. Für seinen jüngsten Unfall wurden vier neue Anzeigen gegen Kornilow Jr. erstattet.
Ihm drohen ein Führerscheinentzug von bis zu zweieinhalb Jahren sowie eine neue Geldstrafe von über 55.000 Rubel (rund 665 Euro). Um den Führerschein zurückzuerhalten, müsste er sich einer ärztlichen Untersuchung unterziehen und einen Test zu den Verkehrsregeln bestehen – eigentlich. Vielleicht passiert auch nichts davon. Das ist schließlich Russland...