Wladimir Putins Angriffskrieg auf die Ukraine stellt Österreich wirtschaftlich und gesellschaftlich vor große Herausforderungen. Insbesondere die Gasversorgung sowie die damit verbundene Infrastruktur sind von enormer Bedeutung für die Versorgung des Landes.
Dazu riefen Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Wirtschaftsminister Martin Kocher (VP) am Freitagvormittag Sozialpartner sowie Branchenexperten zu einem Gipfeltreffen ins Arbeitsministerium. Im Anschluss traten sie gemeinsam mit Michael Woltran, dem Vorstand der Austrian Gas Grid Management (AGGM), vor die Presse.
Die Erkenntnisse des heutigen Krisengesprächs: "Wir haben in Österreich eine funktionierende Gasinfrastruktur. Das ist wichtig, für die Energieversorgung der Menschen und der Unternehmen, vor allem für die energieintensive Industrie", so Kocher, der den Anfang machte.
Insbesondere der Ausbau der Reverse-Flow-Kapazitäten nach 2009 stelle ein wichtiges Sicherheitsnetz dar. Reverse-Flow bedeutet, dass Gas an den vier Pipeline-Übergabepunkten in beide Richtung fließen kann. Diese sind:
➤ Baumgarten – Österreich und Slowakei
➤ Überackern – Österreich und Deutschland
➤ Oberkappel – Österreich und Deutschland
➤ Arnoldstein – Österreich und Italien
Schon heute bestehen demnach die technischen Kapazitäten, den gesamten Importbedarf des Landes durch nicht-russisches Gas abzudecken. Jetzt muss man es nur noch am Weltmarkt bekommen.
Trotzdem sehen die beiden Minister noch genug Verbesserungspotenzial: Alle Speicher sollen jetzt auch an das österreichische Gasnetz angeschlossen – Haidach hat nur eine Verbindung nach Deutschland – und befüllt werden. Das Gasnetz als solches soll zudem verbessert werden.
"Ein für die Versorgungssicherheit sinnvolles Projekt ist die Anbindung des Tiroler Gasnetzes an das Marktgebiet Ost. Diese Anbindung kann in einem absehbaren Zeithorizont umgesetzt werden", heißt es seitens der Regierung. In den nächsten Jahren sollen auch die Reverse-Flow-Kapazitäten insbesondere in Arnoldstein und Oberkappel ausgebaut werden. Dazu würden nun vertiefende Planungen mit der Branche durchgeführt.
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Und als letzten Punkt soll die Infrastruktur der heimischen Kraftwerke flexibler gestaltet werden. Um im Ernstfall rasch Gas einsparen zu können, müssten Kraftwerke und große Industrieanlagen auch mit anderen Brennstoffen als Gas betrieben werden können, wenn das technisch möglich ist. Eine entsprechende Energielenkungsverordnung soll noch am heutigen Freitag in Begutachtung. Eine Woche lang können nun Stellungnahmen abgegeben werden.
"Es ist wichtig, dass wir jetzt einen Blick darauf haben, welche Infrastrukturprojekte verfolgt werden müssen, um Energieversorgungssicherheit und Resilienz nicht nur kurzfristig, sondern auch mittel- und langfristig sicherstellen zu können", so Kocher abschließend. Viele der nun angekündigten Maßnahmen seien weiter gedacht als nur bis zum nächsten Winter.
Wichtig bei all diesen Projekten sei, dass sie auch die Nutzbarkeit für grünen Wasserstoff für die heimische Industrie berücksichtigen. "Uns ist eines wichtig: Wir wollen heute Infrastruktur planen, die fit für die Zukunft ist. Also auch mit klimaneutralem, grünen Wasserstoff umgehen kann", betonte auch Energie- und Klimaschutzministerin Gewessler. Aber: "Da liegt noch ein langer Weg vor uns. So ehrlich müssen wir sein."