Mayrhofer hatte sich für das letzte Alpin-Rennen der Olympischen Spiele etwas ganz Besonderes einfallen lassen: eine schief gesetzte Haarnadel. Diese konnte man mittels zwei Richtungen fahren: Erst mit einem Rechtsschwung und dann gerade hinaus oder zuerst gerade hinein und dann den Schwung bei der Ausfahrt.
Der taktische Kniff zeigte allerdings wenig Wirkung. Denn die beiden größten österreichischen Hoffnungen büßten auf dem Kurs ihres Trainers bereits viel Zeit ein. Team-Kombi-Olympiasiegerin Katharina Huber riss 1,55 Sekunden auf, Katharina Truppe gar 1,64 Sekunden. Das lässt noch Außenseiterchancen auf Edelmetall am Leben. Katharina Gallhuber verlor bereits 2,57 Sekunden.
Der "Heimvorteil" zahlte sich nicht aus. Auch, weil die ÖSV-Läuferinnen die erste Variante wählten, die sich als sicherere, aber nicht unbedingt schnellere Linie etablierte. "Ich wollte es mit der frechen Linie probieren, das ist ein bisschen zu viel geworden. Da hat es mich ein paar Mal hinten draufgedrückt, habe ich die Linie verloren", meinte Huber, ergänzte mit Blick auf die spezielle Passage ihres Trainers: "Die hat ganz gut funktioniert, da war ich bei den Teilpassagen vorne dabei." Truppe war nicht ganz glücklich: "Die Passage habe ich nicht so gern gehabt. Ich bin froh, dass die jetzt abgehakt ist. Ein paar hat sie gepasst, ein paar nicht." Ein Umändern sei für Gallhuber kein Thema gewesen: "Wir haben uns den Plan zurecht gelegt. Ich habe mich außen wohler gefühlt. An dem ist es nicht gelegen."
Die Halbzeitführung schnappte sich US-Gigantin Mikaela Shiffrin mit einer starken Fahrt. Auch deshalb, weil die Star-Läuferin die viel diskutierte Passage anders gefahren war, als die meisten Konkurrentinnen. Sie war die Erste, die gerade hineinfuhr. Und das schien die schnellere Linie zu sein. Für Shiffrin war es nach dem total verkorksten Team-Kombi-Slalom eine echte Auferstehung, nachdem die US-Amerikanerin ihren Lauf völlig vergeigt hatte und noch die Medaille wegwarf.
Damals hatte mit Robert Berger auch ein österreichischer Trainer gesteckt und dabei für Kritik bei Shiffrin gesorgt. "Es wäre gut gewesen, so etwas mal trainieren zu können", hatte sie da den Kopf geschüttelt, fürchtete, dass Berger auch im Spezialslalom stecken würde. Innerhalb des ÖSV wurde aber rotiert und Mayrhofer war dran, den Kurs zu stecken.
Lena Dürr aus Deutschland, die Halbzeit-Zweite, war gleich vor Shiffrin die Erste, die die Passage direkt gefahren war. "Ich hab gemerkt, dass ich die Erste war, weil keine Spur zu sehen war. Da war ich dann verunsichert, aber es hat schon gepasst", schmunzelte die Deutsche.