Die U6-Station Josefstädter Straße ist nicht gerade ein stilles Örtchen. Sogar der Oberste Gerichtshof bescheinigte der Gegend ein berüchtigter "Drogen- und Kriminalitätshotspot mit regelmäßigen Polizeieinsätzen" zu sein. Dass es an der U-Bahn-Station kein öffentliches Klo gibt, trägt nicht gerade zu einem besseren Bild bei. Und das trotz zahlreicher Öffi-Nutzer und vieler Besucher der umliegenden Lokale.
Die Zustand stinkt auch der stellvertretenden Bezirksvorsteherin Veronika Mickel-Göttfert (ÖVP). Zahlreiche Anwohner hätten sich schon bei ihr beschwert, wie sie auf Facebook schreibt. Schon seit Wochen "verschandelt ein mobiles Klo den Eingangsbereich der denkmalgeschützten U-Bahnstation", so ihre Kritik. Dieses sei wegen starker Verschmutzung praktisch nicht benutzbar: "Das mobile Klo wird durch öffentliche Gelder finanziert, ist in Wahrheit aber zu nichts gut. Die Leute verrichten ihre Notdurft lieber im Freien", schildert sie "Heute".
Von SPÖ-Bezirksvorsteher Martin Fabisch fordert sie, endlich etwas zu unternehmen: "Die mobile Lösung funktioniert nicht, es braucht ein fixes Klo in der Station. Der Platz wäre da, nichts zu tun wäre fahrlässig", so Mickel-Göttfert. Die Wiener Linien erklären auf Anfrage, dass 2019 ein WC-Konzept in Abstimmung mit allen Bezirken ausgearbeitet wurde.
"Bei der Entscheidung, welche WC-Anlagen modernisiert werden, wurden neben der Nutzungsfrequenz auch soziale Faktoren (Vandalismus, Zweckentfremdung), der Abstand zwischen den Anlagen und die Entfernung zu anderen öffentlichen Toiletten berücksichtigt", so die Wiener Linien. Im Fall der Josefstädter Straße verweist man auf die WC-Anlage an der nächsten Station Alser Straße.
Insgesamt stehen sechs betreute WC-Anlagen und 52 WC-Module in 28 U-Bahn-Stationen zur Verfügung. Wegen Lieferschwierigkeiten sind fünf Stationen noch nicht fertiggestellt. Betroffen sind die Stationen Seestadt, Stadlau, Stadion, Donauspital und Hütteldorf, die bis September in Betrieb gehen sollen.