Krise in Russland

Moskau geht Sprit aus – Putin kauft eigenes Öl zurück

Russlands Benzinkrise hat nun auch Moskau erreicht. Vor Tankstellen bilden sich lange Schlangen, Treibstoff wird rationiert oder ist ausverkauft.
Newsdesk Heute
02.07.2026, 08:11
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Ausgerechnet in der russischen Hauptstadt wird Benzin knapp. Seit Tagen stehen Autofahrer in Moskau stundenlang vor Tankstellen an, weil Kraftstoff rationiert wird oder bereits ausverkauft ist. Die seit Monaten schwelende Benzinkrise hat damit erstmals auch das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes erreicht.

Während zuvor vor allem abgelegene Regionen und die annektierte Krim betroffen waren, bilden sich nun auch in Moskau lange Schlangen. In sozialen Netzwerken werden Adressen von Tankstellen geteilt, an denen die Wartezeit "nur" rund eine Stunde beträgt. Gleichzeitig wird Benzin am Schwarzmarkt für bis zu 500 Rubel pro Liter verkauft – fast zehnmal so teuer wie vor einem Jahr.

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Drohnenangriffe treffen Raffinerien

Der Kreml hatte bislang versucht, die Folgen des Krieges von Moskau fernzuhalten. Doch die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien verschärfen die Lage. Nach Schätzung von Sergej Vakulenko, früher Stratege bei Gazprom und heute Experte bei Carnegie, waren Mitte Juni bereits 28 Prozent der russischen Raffineriekapazitäten außer Betrieb.

"Die ganze Wirtschaft hier läuft mit Benzin", schreibt Kristina aus der Region Krasnodar auf Telegram. "Und online können wir auch nichts bestellen, weil niemand es liefern kann."

Kreml setzt auf Importe

Als Reaktion hat Russland den Export von Treibstoff eingeschränkt und plant erstmals seit Jahrzehnten, Benzin zu importieren – ausgerechnet aus Indien, wo russisches Rohöl raffiniert wird.

Nach Einschätzung von Vasily Astrov vom Wiener Institut für Wirtschaftsvergleiche (wiiw) soll damit vor allem die Krise rasch entschärft werden. "Schließlich darum, die Krise schnell zu lösen. Dabei versucht man natürlich, Moskau zu schonen", heißt es gegenüber dem "Kurier".

Dass Wladimir Putin zuletzt selbst landesweite Spritprobleme eingeräumt hat, gilt als Hinweis darauf, dass der Kreml die Lage ernst nimmt. Ein Ende der Krise ist dennoch nicht in Sicht: Die Reparatur einer Raffinerie nahe Moskau dürfte rund ein halbes Jahr dauern. Bis dahin veröffentlicht der Kreml auch keine Statistiken zum Sprithandel mehr.

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