Spiele-Test

"MotoGP 24" im Test – mit Vollgas an die Spitze

Packendes Racing, knallharte Rad-an-Rad-Duelle, ein adaptives Schwierigkeitssystem und ein dynamischer Fahrermarkt: "MotoGP 24" ist ein Meilenstein!

André Wilding
"MotoGP 24" im Test – mit Vollgas an die Spitze
"MotoGP 24" bietet Rennaction pur und knallharte Duelle auf der Rennstrecke.
Milestone

Während Max Verstappen in der Formel 1 seine Konkurrenten auch im Jahr 2024 einmal mehr in Grund und Boden fährt und die bisherigen Grand Prix – bis auf einen Ausfall in Melbourne/Australien – nach Belieben dominiert und gewonnen hat, herrscht in der MotoGP nach vier ausgetragenen Rennen unterdessen Hochspannung pur.

Francesco Bagnaia (Ducati), Fabio Quartararo (Yamaha), Maverick Viñales (Aprilia), Brad Binder (KTM), Marc Marquez (Ducati), Luca Marini (Honda) und Co. liefern sich also auch im heurigen Jahr wieder beinharte Duelle und erbitterte Zweikämpfe auf der Rennstrecke und treiben sich dabei gegenseitig ans Limit. Dazu kommt mit MotoGP-Rookie Pedro Acosta (GasGas) ein wahres Wunderkind, das bereits nach wenigen Rennen mit Top-Platzierungen und Podestplätzen für Furore gesorgt und die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert hat.

Adaptives Schwierigkeitssystem

Doch die MotoGP-Fans können die Königsklasse des Motorradrennsports nicht nur live auf der Strecke oder vor dem TV mitverfolgen, sondern ab sofort auch selbst ein Teil des Geschehens sein – und dabei ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte schreiben. Denn mit "MotoGP 24" erscheint am 2. Mai das neueste Spiel zur Weltmeisterschaft 2024. Im Spiel enthalten sind neben allen Strecken im aktuellen WM-Kalender dabei natürlich auch sämtliche Fahrer der Saison 2024 - und zwar die Piloten aus Moto3, Moto2 und aus der MotoGP.

Entwickler "Milestone" hat sich nach der Einführung der Flag-to-Flag-Rennen und eines dynamischen Wetters im vergangenen Jahr aber keinesfalls auf die faule Haut gelegt und einfach ein überarbeitetes Rennspiel in der Motorradwelt auf den Markt gebracht. Stattdessen hat "MotoGP 24" gleich mehrere Neuerungen im Gepäck, welche die Herzen der Fans höher schlagen lassen werden. So sorgen etwa ein adaptives Schwierigkeitssystem, KI- und Physik-Updates, die Einführung von MotoGP-Stewards sowie ein neuer Multiplayer-Modus – online, Splitscreen – bei den Spielern für zusätzlichen Nervenkitzel.

Die größte Neuerung ist aber ein Feature, das sich Gamer schon lange gewünscht haben und das Entwickler "Milestone" in "MotoGP 24" nun mit viel Engagement in die Tat umgesetzt hat. Die Rede ist von einem neuen und dynamischen Fahrermarkt, der spannende und unvorhersehbare Wendungen im Karriere-Modus verspricht. Die Piloten müssen also im Laufe ihrer Rennfahrer-Karriere nicht bei einem einzigen Team bleiben, sondern können ihren Rennstall am Ende einer Saison zu einem anderen Hersteller verlassen – oder werden bei schlechten Leistungen selbst ausgemustert.

Dynamischer Fahrermarkt

Bahnbrechende Team-Wechsel, wie etwa von 8fach-Weltmeister Marc Marquez von Honda zu Gresini Racing MotoGP (Ducati), finden also nicht nur in der Realität statt, sondern werden sich fortan eben auch in der virtuellen Racing-Welt mit sämtlichen Fahrern abspielen. Jorge Martin auf einer KTM, Aleix Espargaró bei Yamaha oder Marco Bezzecchi im Gewand von Aprilia klingen im ersten Moment vielleicht unwahrscheinlich, können bei "MotoGP 24" aber tatsächlich Wirklichkeit werden.

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    Packende Rennaction, knallharte Rad-an-Rad-Duelle, ein adaptives Schwierigkeitssystem und ein dynamischer Fahrermarkt: "MotoGP24" ist ein Meilenstein!
    Packende Rennaction, knallharte Rad-an-Rad-Duelle, ein adaptives Schwierigkeitssystem und ein dynamischer Fahrermarkt: "MotoGP24" ist ein Meilenstein!
    Milestone

    Es ist aber nicht nur der dynamische Fahrermarkt, die sehenswerte Grafik, oder die nervenaufreibenden Kämpfe auf der Rennstrecke die "MotoGP 24" zu einem Rennspiel der Sonderklasse machen. Stattdessen macht Entwickler "Milestone" seinem Namen in vielen verschiedenen Punkten Programm und liefert einen echten Meilenstein ab. "Heute" zeigt, was das Spiel zu einem echten PS-Kracher macht und warum das adaptive Schwierigkeitssystem gerade für Anfänger Gold wert ist.

    Motorsport-Freunde, die auf der Konsole oder am PC bisher eher auf vier statt auf zwei Rädern unterwegs waren, dürften bei "MotoGP 24" dabei im ersten Moment wohl eine faustdicke Überraschung erleben. Denn von einem einfachen "Im Kreis fahren" und die Konkurrenz selbst mit einem schwachen Team bzw. Fahrzeug deklassieren, kann beim neuesten virtuellen Ableger der Königsklasse des Motorradrennsports nicht die Rede sein.

    Aller Anfang ist schwer

    Ganz im Gegenteil! Einsteiger, die glauben, sie könnten bei "MotoGP 24" gleich zu Beginn des Spiels auf sämtliche Fahrhilfen verzichten und hätten damit gegen die KI eine reelle Chance auf eine Top-Platzierung, werden wohl schnell eines Besseren belehrt werden. Zu groß ist etwa der Unterschied zur Formel 1, wo man mit dem Boliden äußerst spät bremsen kann, aber die Kurve dennoch im letzten Moment noch kriegt. Das ist in der MotoGP ein Ding der Unmöglichkeit – und zwar nicht nur in der realen, sondern auch in der virtuellen.

    Den richtigen Bremspunkt vor einer Kurve bei Tempo 340 km/h zu finden und die Maschine bei einer zu aggressiven Fahrweise bzw. Schräglage nicht ins Kiesbett zu setzen, benötigt gerade am Anfang nicht nur viel Geduld und gute Nerven, sondern auch reichlich Hilfe und Unterstützung seitens des Spiels. Und das ist auch den Entwicklern durchaus bewusst, die gerade für Einsteiger, aber auch Fortgeschrittene, mehrere (Fahr-)Hilfen eingebaut haben.

    Realistisches Spielerlebnis

    "Milestone" hat nämlich ein adaptives Schwierigkeitssystem in "MotoGP 24" entwickelt, das dabei helfen soll, die ersten Kilometer auf einer Rennmaschine abzuspulen – und zwar ohne, dass man gleich nach jeder Kurve vom Bike fliegt. Und das kann gerade zu Beginn einer Strecke, die man noch nicht gut kennt oder auf der man noch nie mit einem MotoGP-Bike gefahren ist, durchaus häufig(er) vorkommen. Umso wichtiger sind also die einzelnen Hilfen, die einem Piloten am Weg an die Spitze unterstützen.

    Das adaptive Schwierigkeitssystem passt dabei den Schwierigkeitsgrad der KI auf der Grundlage der Leistung der Spieler in den Rennen und einzelnen Sessions an. Damit wird eine realistische Simulation garantiert, die ein Spielerlebnis bietet, das genau auf den Gamer abgestimmt ist. Heißt im Klartext: die KI reagiert auf die Entwicklung eines Spielers im Renngeschehen und passt sich daran an. Vor allem zu Beginn aber auch im weiteren Verlauf des Spiels ist das für Anfänger eine große Hilfestellung, die man nicht unterschätzen sollte.

    Und das betrifft auch die anderen Fahrhilfen, mit denen man bei "MotoGP 24" an den Start gehen kann, um sich mit den besten Fahrern des Motorradrennsports messen zu können. Neben Hilfen beim Bremsen, Gas geben und Lenken ist es vor allem das Sichtbarmachen der Ideallinie und der Bremspunkte, dass den Spielern unter die Arme greift, die Kurve doch noch zu kriegen. Mit unterschiedlichen Pfeilfarben – rot, gelb und blau – wird dem Spieler am Bike dabei direkt vor Augen geführt, wann er vor einer Kurve im richtigen Moment zu bremsen beginnen muss und vor allem auch, wie sehr er sich mit seinem Bike in Schräglage begeben kann, ohne gleich von der Maschine zu fliegen.

    Die Qual der Wahl

    Vor allem Einsteiger sollten – zumindest die ersten paar Rennen – also auf die einzelnen Hilfestellungen und Unterstützungen genügend zurückgreifen, um nicht gleich den Anschluss an Marc Marquez, Francesco Bagnaia, Jorge Martin, Jack Miller, Alex Rins und Co. zu verlieren. Der Schwierigkeitsgrad kann zwar auch im Laufe des Spiels dann stets verändert und auf das eigene Können angepasst werden, doch selbst die niedrigste Stufe stellt ohne jegliche Hilfe schon eine echte Herausforderung dar.

    Je nach Spielerfahrung können Gamer bei "MotoGP 24" dabei zwischen verschiedenen Schwierigkeitsstufen wählen: Vereinfacht, Fortgeschritten, Experte und Profi. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt es unterschiedliche neurale Hilfen (Gas, Bremse, Lenkung), die aktiviert sind, und auch die KI ist auf einer höheren Stufe natürlich stärker und verhält sich auf der Strecke aggressiver. Wer nicht genau weiß, welchen Schwierigkeitsgrad er nehmen soll, kann das bei einer Streckenprüfung herausfinden und die einzelnen Einstellungen und Hilfen auf seine Rennerfahrungen und sein Können auf dem Bike anpassen.

    "Milestone" lässt Gamern dabei reichlich Spielraum und Änderungsmöglichkeiten, um ein perfektes Rennspiel-Erlebnis zu gestalten. Und das betrifft nicht nur etwa die Einstellungen bei den unterschiedlichen Fahrhilfen, sondern vor allem auch bei der Erstellung seines ganz eigenen Charakters. Hier haben die Entwickler nämlich reichlich Herzblut einfließen lassen. Name, Gesicht, Alter, Nationalität, Nummer, Fahrersticker, Handschuhe, Schutz, Stiefel, Anzug, Fahrstil – es kann alles nach seinen eigenen Vorstellungen angepasst und geändert werden.

    Eine Frage des Aussehens

    Die Gestaltung seines eigenen Fahrers kann dabei schon etwas Zeit verschlingen, denn "Milestone" bietet eine unfassbar große Vielzahl an Möglichkeiten. So kann man etwa bei der Wahl der Nummer eine vorgeschlagene Zahl auswählen oder seine ganz eigene Kombination gestalten. Und dabei sind dem Design und Farben so gut wie keine kreativen Grenzen gesetzt. Ähnliches gilt bei der Wahl des richtigen Helms oder des (Spitz-)Namens, der dem Gegner am Anzug auf Höhe des Hinterns ins Gesicht lächelt – immerhin soll der nachfolgende Fahrer ja auch gleich wissen, mit wem er es zu tun hat.

    Das sind zwar nur kleine Feinheiten, die für das Spiel selbst bzw. das Fahren auf der Strecke vielleicht jetzt keine großen Auswirkungen haben mögen – es zeigt aber, wie viel Liebe zum Detail die Entwickler bei der Gestaltung eines Charakters hineingesteckt haben, damit Gamer einen Fahrer ganz nach ihren eigenen Vorstellungen kreieren können, um mit ihm die Spitze der Weltmeisterschaft zu erobern. Und es macht natürlich auch einfach riesigen Spaß, mit seinem ganz eigenen erstellten Charakter mit einem Tempo von weit über 300 km/h über die Rennstrecke zu donnern.

    Man muss aber nicht zwingend mit seinem eigenen Charakter spielen, sondern kann natürlich auch als Francesco Bagnaia, Jorge Martin, Marc Marquez, Brad Binder, Luca Marini oder einem anderen Fahrer der aktuellen Saison auf Zeiten- oder Trophäenjagd gehen. In "MotoGP 24" stehen dabei einmal mehr die unterschiedlichsten Modi zur Auswahl: Zeitfahren, Grand Prix, Meisterschaft oder LiveGP – die Spieler haben die Qual der Wahl. Wer aber noch mehr Zeit braucht, seine Fähigkeiten auf dem Bike zu verbessern, kann dies auch bei verschiedenen Tutorials und der MotoGP-Academy tun.

    Karrieremodus als Herzstück

    Das Herzstück von "MotoGP 24" ist aber der Karrieremodus, der dank des dynamischen Fahrermarkts ein noch nie dagewesenes und hochspannendes Spielerlebnis verspricht – natürlich mit seinem eigenen Charakter. Bevor man sich allerdings in der MotoGP direkt mit den besten Motorrad-Piloten der Welt auf der Strecke duellieren kann, muss man sich erst in der Moto3 beweisen. In der Debüt-Saison muss man als Spieler nämlich erst einmal durch die harte Schule der Nachwuchsklasse gehen. Hier gilt es die letzten Rennen einer Moto3-Saison zu bestreiten, um sich einen Platz in der Moto3, Moto2 oder gar der MotoGP sichern zu können.

    Dabei müssen Neulinge verschiedene Ziele und Vorgaben des Teams erfüllen, um die Hersteller anderer Rennserien auf sich aufmerksam zu machen. So muss man etwa erst einmal den Teamkollegen schlagen und in der Fahrer-Tabelle vor ihm landen, um zu beweisen, dass man das Zeug zu einem MotoGP-Rider hat. Die einzelnen Platzierungen, Podiumsplätze oder gar Siege können die Erfahrungen in der Weltmeisterschaft dabei nachhaltig verändern – und zwar nicht nur ins Positive. Je nach Leistung und Verhalten auf der Strecke kann man entweder auf eine Beförderung in ein besseres Team hoffen, oder muss bei Fehlern und mangelnden Errungenschaften auf den Kursen, um seinen Platz zittern.

    Am Ende einer Saison kann sich der Kader eines Teams dabei mit einem Schlag komplett ändern und den Fahrermarkt damit gehörig auf den Kopf stellen. Umso wichtiger ist es also für Spieler die Ziele und Vorgaben eines Rennstalls zu erfüllen, um nicht nur wichtige Erfahrungspunkte sammeln zu können und damit die Karriereleiter nach oben zu klettern, sondern auch um Belohnungen zu erhalten und seine Rolle im Team zu verfestigen – oder um sogar andere Hersteller auf sich aufmerksam zu machen.

    Unter Beobachtung

    Und dabei spielt auch das Benehmen eines Spielers auf der Rennstrecke eine entscheidende Rolle. So erweckt man mit guten Leistungen nicht nur etwa das Interesse von anderen Teams, bei unfairen Manövern gegenüber Konkurrenten ändern die Rivalen nicht nur ihr Verhalten, auch die neu eingeführten MotoGP-Stewards sparen nicht mit Verwarnungen oder verhängen saftige Strafen, wie einer Long-Lap-Penalty. Das kann im Zweifelsfall nicht nur das Rennen komplett zerstören, sondern auch das Verhältnis zum Team – als Fahrer ist man also ständig unter Beobachtung. Ein Grund mehr also, sich auf der Rennstrecke von seiner besten Seite zu zeigen.

    Von der besten Seite zeigt sich in "MotoGP 24" ohne Zweifel die Grafik bzw. die technische Umsetzung des Spiels. Das neueste Game aus dem Hause "Milestone" rennt wie am Schnürchen und weiß grafisch voll und ganz zu überzeugen. Die Bikes und Fahrer sehen einfach großartig aus und brauchen sich vor anderen Spielen und Renn-Serien nicht verstecken. Die Piloten sind anhand ihrer Gesichtszüge klar zu erkennen und sehen auch in anderen Teamfarben toll aus – ungewohnt, aber sehenswert!

    Auch bei der Grafik hat Entwickler "Milestone" im Vergleich zu "MotoGP 23" noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Die gut gelungene technische Umsetzung des Spiels kommt dabei vor allem bei Regen-Rennen besonders zur Geltung. Wenn der Regen auf den Bildschirm tropft und der Asphalt immer nasser wird, dann entfaltet die neueste Konsolen-Generation in Sachen Auflösung ihr volles Potenzial. Echter ist nur die reale MotoGP.

    Fazit

    Entwickler "Milestone" ist mit "MotoGP 24" ein wahrer Meilenstein des Rennsports gelungen. Noch nie sah ein Spiel in der Welt des Motorradrennsports schöner aus, noch nie gab es so viele Freiheiten und Möglichkeiten bei der Gestaltung eines individuellen Spielerlebnisses und noch nie machte es mehr Spaß, seinen eigenen kreierten Fahrer an die Spitze der MotoGP zu steuern.

    "MotoGP 24" überzeugt an allen Ecken und Ebenen und bietet Anfänger dank vieler Fahrhilfen und Unterstützungen einen tollen Einstieg in die Königsklasse des Motorradrennsports. Aber auch Fortgeschrittene und Profis kommen voll auf ihre Kosten und können sich auf ein Spielerlebnis freuen, dass sie in der MotoGP so noch nicht erlebt haben.

    Xbox, Playstation, Switch, PC & Co. – die besten Games im Test

    "MotoGP 24" erscheint am 2. Mai 2024 auf den Plattformen PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch und Steam; "Heute" testete das Spiel auf der Playstation 5.

    Auf den Punkt gebracht

    • "MotoGP 24" ist ein Meilenstein im Bereich der Rennspiele und bietet packende Rennaction, ein adaptives Schwierigkeitssystem und einen dynamischen Fahrermarkt
    • Das Spiel ermöglicht es den Spielern, Teil der MotoGP zu sein und ihre eigene Erfolgsgeschichte zu schreiben, während sie sich mit den besten Fahrern des Motorradrennsports messen
    • Mit einer Vielzahl von Hilfen und Unterstützungen ist das Spiel sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet und bietet ein realistisches Spielerlebnis
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