Mutmaßlicher Doppelmörder hatte trotz Anzeigen Asyl

Es lagen mehrere Anzeigen gegen den Somalier vor.
Es lagen mehrere Anzeigen gegen den Somalier vor.Denise Auer
Gegen den Somalier (28), der in Favoriten zwei Frauen erstochen haben soll, wurde mehrmals wegen Vergewaltigung ermittelt. Trotzdem hatte er Asyl.

Am Montag müssen sich unfassbare Szenen in der Wohnung eines Gemeindebaus in einer Erdgeschoßwohnung im 10. Wiener Bezirk abgespielt haben. Die Polizei wurde gegen 16 Uhr zu einem Streit alarmiert. Ihnen entgegen kam ein 28-jähriger Somalier getorkelt, der behauptete, gerade zwei Frauen ermordet zu haben.

In der Wohnung fanden die Beamten dann die blutüberströmten Leichen zweier Opfer (35, 37). Eines davon dürfte die Ex-Freundin oder Frau und Mutter einer gemeinsam vierjährigen Tochter des mutmaßlichen Doppelmörders gewesen sein, die andere ihre Freundin, die nur zu Besuch war. Sie war eine Mitarbeiterin der Wiener Caritas, arbeitete dort als Übersetzerin. "Die genauen Umstände der Tat werden im Moment erhoben. Die Einvernahme des mutmaßlichen Täter soll am Nachmittag erfolgen", erklärte Polizeisprecher Mohamed Ibrahim gegenüber "Heute".

Trotz Anzeigen hatte Somalier Asyl

Der dringend tatverdächtige Somalier kam 2014 nach Österreich stellte laut "Kronen Zeitung" einen Antrag auf internationalen Schutz. Im Jahr 2016 bekam er nach einer Säumnisbeschwerde bei der Verwaltungsbehörde, vom Bundesverwaltungsgericht Asyl zuerkannt, lebte seither in Linz. Immer wieder wurde er behördlich auffällig, wurde laut "Kronen Zeitung" bis dato sieben (!) Mal angezeigt, unter anderem wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs.

Behörde leitete Aberkennungsverfahren ein

Beide Male versuchte das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl ein Aberkennungsverfahren gegen den 28-Jährigen einzuleiten. "Da aber die Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft eingestellt worden sind, wurde mangels Vorliegen eines Aberkennungstatbestandes das Aberkennungsverfahren ebenfalls eingestellt", hieß es aus dem Innenministerium.

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Neuer Vergewaltigungs-Verdacht

Erst am 18.08.2021, also rund 4 Wochen vor der Tat, langte ein Abschlussbericht des Stadpolizeikommandos Linz wegen eines erneuten Verdachts der Vergewaltigung ein – das Ergebnis des Verfahrens ist bis heute offen. Der Somalier wurde bisher nie strafrechtlich verurteilt. Auch Wegweisungen und Betretungsverbote wurden gegen ihn keine ausgesprochen.

Hier der gesamte Akt des Verdächtigen in einer Chronologie

14.06.2014:Antrag auf internationalen Schutz
24.11.2015: Einlangen Säumnisbeschwerde
07.07.2016: Zuerkennung des Status des Asylberechtigten
25.08.2020: Einlangen der Info bezüglich Verdacht der Vergewaltigung
25.08.2020: Einleitung Aberkennungsverfahren (Anzeige wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs, Körperverletzung)
29.10.2020: Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft Linz eingestellt
02.11.2020: Einlangen der Verständigung von der Einstellung des Verfahrens
05.11.2020: Einstellung Aberkennungsverfahren
28.02.2021: Verdacht der Vergewaltigung
03.03.2021: Einlangen Abschlussbericht der Polizei
03.03.2021:Einleitung Aberkennungsverfahren (Anzeige Vergewaltigung und Körperverletzung)
10.05.2021: Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft Linz eingestellt
18.05.2021: Einlangen der Verständigung von der Einstellung des Verfahrens, in Folge Einstellung Aberkennungsverfahren
14.08.2021: Anzeige Verdacht der Vergewaltigung
18.08.2021: Einlangen Abschlussbericht der Polizei, Verfahren offen

Hilfe für Betroffene von Gewalt:

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

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