Mutter getötet: 17 Jahre Haft für Diplomatenbruder (56)

Angeklagter mit Anwältin Astrid Wagner
Angeklagter mit Anwältin Astrid WagnerLenger
Mordprozess in Eisenstadt: Der Bruder eines Diplomaten hatte im Sommer 2020 im Streit um einen Bohrer seine Mutter (80) erstochen - 17 Jahre Haft!

Donnerstagvormittag betrat der 56-jährige Steirer den Gerichtssaal am Landesgericht Eisenstadt und wirkte dabei anders, als man sich den "klassischen Mörder" vorstellt: Umgänglich, sprachlich in Ordnung, oberflächlich nicht unsympathisch.

Für Außenstehende umso schwerer zu begreifen, dass der gebürtige Leobner Mitte Juli 2020 ein blutiges Kapitalverbrechen begangen haben soll. 

Vor 1 Jahr zur Mutter gezogen

Rückblick: Zuletzt war der Angeklagte als Buschauffeur tätig gewesen, verlor aber wegen Alkohol am Steuer im September 2019 seinen Führerschein und lebte fortan von 1.400 Euro AMS-Geld. Der wegen versuchter Nötigung vorbestrafte 56-Jährige zog erst vor einem Jahr von der Steiermark zu seiner Mutter in den Bezirk Jennerdorf. Dort sollte er im schmucken Haus seines erfolgreichen Bruders, ein österreichischer Diplomat im asiatischen Raum, bei den Umbauarbeiten helfen.

Am 14. Juli 2020 trank der 56-Jährige in der Früh noch Kaffee mit seiner Mutter, ging dann ins Dachgeschoss arbeiten und trank nebenbei die ersten Biere. Zu Mittag bat er seine Mutter, eine Bohrmaschine vom Baumarkt zu holen. Die 80-Jährige kam der Bitte ihres Sohnes nach. Am Nachmittag arbeitete der 56-Jährige gar nicht mehr, trank noch einige Biere. Daraufhin begann seine Mutter zu motschgern und zu schimpfen: "Jetzt habe ich extra den Bohrer geholt und Du tuast nix."

"Arbeitsscheues Gesindel"

Es kam zu einem derben Streit zwischen Mutter und Sohn, sie nannte ihn "arbeitsscheues Gesindel", er stand laut Anklage vom Küchentisch auf, holte ein Messer, schnitt ihr von hinten die Kehle durch und ließ sie hilflos verbluten. Einen Tag lang hauste er neben der Leiche, spielte am Computer, trank Bier und löste Kreuzworträtsel. Erst als der Vorzeigesohn seine Mutter nicht erreichen hatte können und eine Bekannte zum Haus schickte, wurde die grausame Tat bekannt und der 56-Jährige festgenommen. Bei der Tat hatte er 1,78 Promille intus - mehr dazu hier.

17 Jahre Haft

Die Beziehung zur Mutter beschrieb der Angeklagte als stets schwierig. Nur der andere Sohn sei der Gute gewesen, zudem sei sie sehr launenhaft gewesen. Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht tatsachengeständig. Anwältin Astrid Wagner kämpfte: "Er war in einer emotionalen Ausnahmesituation, es brach aus ihm heraus. Er war am Rande der Zurechnungsfähigkeit."

Der Angeklagte erzählte die Tat trocken, ohne etwas zu beschönigen: "Ich war selber von mir erstaunt, dass ich zu sowas in der Lage bin. Aber es fiel schon eine große Last von mir", so der Angeklagte beim Prozess.

Beim Prozess in Eisenstadt entschieden die Geschworenen am Donnerstagnachmittag schließlich mit 8:0 Stimmen einstimmig: Es war Mord. Die Strafhöhe: 17 Jahre Haft (nicht rechtskräftig). Der 56-Jährige nahm das Urteil gefasst hin.

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