Unangenehmer Vorfall

Nach Russell-Crash: Einblicke in die Ingenieurskunst

Ein Blick auf den Unterboden des Mercedes enthüllt raffinierte Details, die entscheidend für Stabilität und Performance der Topautos sind.
Sport Heute
21.07.2026, 10:16
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Für Aerodynamiker gibt es kaum etwas Unangenehmeres, als das eigene Auto am Kran hängen zu sehen. Noch dazu kann der Fahrer dann das Training oder Rennen nicht mehr fortsetzen. Die Teams versuchen nämlich, das Design ihres Unterbodens möglichst geheim zu halten.

Während der Fahrt oder in der Box sieht man von den Details praktisch nichts. Muss ein Auto aber mit dem Kran geborgen werden, liegt die Unterseite für alle offen da. Wie motorsport-total.com berichtet, gab es etwa 2023 beim Qualifying-Unfall von Sergio Perez in Monaco so einen Fall.

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Damals war Red Bull in der Ground-Effect-Ära vorne dabei. Der Blick auf den Unterboden des RB19 brachte den anderen Teams Hinweise, warum das Auto so stark war. Fotos zeigen zwar nicht alles, sie reichen aber für Simulationen und um ähnliche Konzepte auszuprobieren.

Heuer ist der Unterboden zwar nicht mehr ganz so wichtig, weil sich die Regeln in der Aerodynamik geändert haben. Trotzdem gibt der frei sichtbare Mercedes-Unterboden von Spa spannende Einblicke in die Bauweise der aktuellen Topautos. Schaut man sich das Heck des Mercedes von George Russell und Kimi Antonelli genauer an, fallen mehrere auffällige Komponenten auf. Manche kennt man schon aus der Vergangenheit, andere verraten neue Details zur Luftführung unter dem Mercedes.

Auf den Fotos sieht man auch kleine Laschen an der oberen Diffusorkante. Mercedes hatte hier anfangs größere Versionen verbaut, um den Arbeitsbereich des Diffusors zu vergrößern. Die FIA hat das Team aber verpflichtet, diese Teile zu verkleinern.

Auch die Aufhängungsteile und der sogenannte Beam Wing vor dem Diffusor sind so angewinkelt, dass sie den Unterdruckbereich hinter dem Auto vergrößern. Diese Komponenten arbeiten eng mit dem Heckflügel zusammen, damit die Hinterachse mehr Anpressdruck bekommt.

Die äußeren Elemente des Diffusors sind eine Weiterentwicklung der Kaskadenflügel, die früher an den Bremskanälen befestigt waren. Sie vergrößern den nutzbaren Bereich des Diffusors noch zusätzlich. Laut Reglement musste der Diffusor im Vorjahr weitgehend geschlossen sein, um die Luftströmung nicht zu sehr zu stören. Da die Autos ab 2026 weniger empfindlich auf Strömungsabrisse reagieren, haben mehrere Teams ein zusätzliches "Loch" im Diffusor eingebaut.

Dadurch kann die Luft unter dem Fahrzeug stärker expandieren. Die inneren Diffusor-Elemente übernehmen dabei die Rolle zusätzlicher Leitbleche und helfen, den Luftstrom im hinteren Bereich des Unterbodens gezielt zu steuern.

Weil der Unterboden so lang ist, ist das Verhindern von Strömungsabrissen eine der größten Herausforderungen. Je schneller und energiereicher die Luft unter dem Auto unterwegs ist, desto besser kann man den Energieverlust durch Reibung ausgleichen. Eine gezielte Aufteilung der Karosseriestruktur hinten hilft ebenfalls, den Luftstrom stabil zu halten. Man sieht auch Schlitze an den hinteren Ecken des Unterbodens, knapp vor den Hinterreifen.

Mercedes hat diesen Bereich schon zum Rennen in Kanada geändert, um das sogenannte "Tyre Squirt" besser zu kontrollieren. Dabei drücken die sich drehenden Hinterreifen Luft seitlich raus, die dann in den Diffusor gelangt und dessen Wirkung schwächen kann. Obwohl die Autos heute weniger komplex sind als früher, steckt nach wie vor viel Entwicklungsarbeit im Diffusor. Nur ein effizienter Diffusor sorgt für genug Stabilität an der Hinterachse.

Fehlt dieser Abtrieb, kann der Fahrer die Motorleistung beim Rausbeschleunigen nicht richtig auf die Straße bringen und das Auto rutscht leichter. Ist das Heck unberechenbar und bietet keine stabile Balance zum Vorderwagen, verliert der Fahrer das Vertrauen in sein Auto – und damit auch an Performance.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 21.07.2026, 10:35, 21.07.2026, 10:16