Familie geht Andrea K. (55) über alles – doch seit über fünf Jahren kann sie weder mit ihrem Mann Steffen (55), noch mit ihrem Sohn (31) oder ihrer Schwester sprechen. Denn die Steirerin aus dem Bezirk Voitsberg hatte 2020 eine Gehirnblutung und mehrere kleine Schlaganfälle.
Seitdem wird die Steirerin in Spitälern und Pflegeheimen betreut – auch ihren 55. Geburtstag am 24. Dezember feierte sie dort. Gesundheitlich ist Andrea K. noch immer stark eingeschränkt: "Sie kann nicht selbstständig gehen, hat aber einen Gangtrainer, mit dem sie übt. Auch das Greifen mit den Händen wird immer besser. Andrea kann aber schlucken, husten, mit dem Kopf nicken und ihn auch schütteln. Nur sprechen kann sie eben nicht", erzählt Steffen K.
Das Schicksal nahm Ende 2020 seinen Lauf: "Am 22. November starb der schwerkranke Vater von Andrea – sie hatte ihn davor drei Wochen lang rund um die Uhr gepflegt. Das könnte der Auslöser gewesen sein. Zu Mittag klagte sie über Kopfschmerzen, eine halbe Stunde später ist sie zusammengebrochen", erinnert sich ihr Mann.
Ein Aneurysma in Andreas Kopf war geplatzt, sie hatte eine Gehirnblutung. Sie wurde sofort operiert und anschließend in den Tiefschlaf versetzt. "In der zweiten Woche wurden dann die Medikamente zurückgefahren, damit sie wieder munter wird. Da setzten bereits erste Gefäßkrämpfe (Verengung der Blutgefäße, Anm.) ein. An einem Wochenende hatte sie schwere Gefäßkrämpfe, die offenbar übersehen wurden. Sie hatte mehrere Schlaganfälle, dabei wurde im Gehirn Einiges zerstört", erklärt Steffen K.
Andrea wurde erneut in den Tiefschlaf versetzt, es folgte eine wahre Krankenhaus-Odyssee in wechselnden Einrichtungen. Seit Oktober 2023 wird die 55-Jährige, die über eine Magensonde ernährt wird, im Pflegeheim "Lebenswelten" der Barmherzigen Brüder in Kainbach betreut. Dort erhält sie Ergo- sowie Physiotherapie und Logopädie, auch eine Mobilisierung mit dem Rollstuhl steht am Programm: "Jeden Tag ist jemand bei ihr – ihre Schwester und ich wechseln uns ab. Am Sonntag sind auch ihre geliebten Chihuahuas Monti und Lucky zu Besuch", erzählt ihr Mann.
Die 55-Jährige erhält Invaliditätspension und Pflegegeld – Letzteres wird von der Pflegeeinrichtung einbehalten. Geistig ist Andrea voll da, sie kann aber nicht mit ihrer Familie kommunizieren. Ein blickgesteuertes Kommunikationsgerät würde Vieles erleichtern. Weihnachten 2024 testete sie einen solchen Communicator: "Das hat gut funktioniert, sie hat schöne Fortschritte gemacht. Ihr Zustand hat sich verbessert", meint Steffen K.
Doch das Augensteuerungsgerät ist teuer – inklusive Bodenstativ und Touchpad kostet es rund 18.550 Euro. Vor einem Jahr – im Jänner 2025 – stellte Steffen K. daher bei den zuständigen Stellen – ÖGK, Sozialministerium sowie Behindertenhilfe der Bezirkshauptmannschaft –Anträge für Zuschüsse des Hilfsmittels. Doch bis Dezember 2025 lag ausschließlich von der ÖGK eine Zusage in Höhe von 1.616 Euro vor.
Auf Nachfrage bei der BH soll Steffen K. folgende (mündliche) Information erhalten haben: "Die Auskunft war, dass sie auf das Hilfsmittel nur Anspruch hat, wenn sie zu Hause wohnt. Da sie in einem Pflegeheim untergebracht ist, ist dieses zuständig." Zudem wurde ein ärztliches Gutachten verlangt, dass Andrea das Gerät bedienen kann.
Auch "Heute" fragte bei der BH an, aus Datenschutzgründen wurden aber keine detaillierten Auskünfte zu dem aktuellen Fall erteilt. Doch es kam Bewegung in die Causa: Steffen K. erhielt von der BH die Zusage für 30 Prozent der Kostenübernahme. Auch beim Sozialministerium sieht es gut aus. Wie hoch der Zuschuss ist, ist allerdings noch offen.
"Diese Geschichte ist leider kein Einzelfall. Vielleicht bringt der Artikel wenigstens ein bisschen Hoffnung für andere Betroffene, dass sie sehen, dass sie nicht alleine stehen und die Hoffnung Ihren Lieben helfen zu können, nie aufgeben", versucht Steffen K. das Positive zu sehen. Im Sommer will er seine Andrea – das Paar lernte sich 1992 kennen – nach Hause holen. "Davor muss ich aber das Haus noch barrierefrei machen und eine geeignete Pflegekraft finden."