Urlaub in Corona-Cluster: "Nehmen Sie Kopfwehtablette"

In St. Wolfgang wurden in vier Unterkünften Infektionsfälle gemeldet. Im Bild das Hotel Peter
In St. Wolfgang wurden in vier Unterkünften Infektionsfälle gemeldet. Im Bild das Hotel Peterpicturedesk.com/APA/Barbara Gindl
Ein Pensionist kehrte mit Hals- und Kopfschmerzen aus dem Corona-Cluster St. Wolfgang zurück. Trotzdem wurde ihm ein Virustest mehrfach verweigert.

Am Freitag kehrte der Pensionist Franz Kügerl (66) nach einem fünftägigen Aufenthalt im Hotel Peter in der Gemeinde St. Wolfgang im Salzkammergut nach Graz zurück. Dabei brachte er ungewollt offenbar noch etwas anderes mit. Gegenüber der "Kleinen Zeitung" schildert der 66-Jährige, dass er zwar kein Fieber habe, seither jedoch an starken Hals- und Kopfschmerzen sowie Durchfall leide.

"Wir erfuhren erst zu Hause davon, dass St. Wolfgang ein Corona-Cluster ist. Die Aufregung war groß", so Kügerl. Mit Stand Freitagnacht, 23 Uhr, waren 28 Corona-Fälle in verschiedensten Betrieben der Gemeinde bestätigt.

Jetzt plagt natürlich auch den heimgekehrten Urlauber die Ungewissheit: Wurde auch er mit dem Coronavirus infiziert? Ein PCR-Test könnte innerhalb weniger Stunden eine Antwort liefern, doch der wird Kügerl trotz mehrmaliger Anrufe bei der Corona-Hotline 1450 bislang verweigert – obwohl der 66-Jährige zur Risikogruppe gehört.

"Das ist ein Witz!"

Drei Mal habe er es probiert, drei Mal sei er von den Telefonisten abgewimmelt worden, schildert der Senior weiter: "Man hat mir gesagt, solange ich kein Fieber habe, wird nicht getestet. Ich solle eine Kopfwehtablette nehmen. Keine Beratung, keine Angaben wie ich mich verhalten soll, nichts. Das ist ein Witz!"

Kügerl fühlt sich im Stich gelassen. Er habe die Maßnahmen der Bundesregierung stets gutgeheißen, doch "was da auf der bürokratischen Ebene ganz unten läuft, ist falsch." Aus Angst, andere anzustecken, habe er sich selbst isolieren müssen. Zusätzlich bleibt noch die Unsicherheit, ob nicht doch noch schwerere Symptome folgen.

Zurück nach St. Wolfgang

Um doch endlich einen Schlussstrich ziehen zu können, muss Kügerl zurück an jenen Ort, an dem die Misere begonnen hat: "Ich werde jetzt auf eigenen Faust und eigene Kosten zurück nach St. Wolfgang fahren. Dort wird in einem Zelt ein freiwilliger Test für alle angeboten. Dann ist eine Ruh".

Anbetracht der Situation äußerte der 66-Jährige eine düstere Prognose für den Herbst, wenn neben Corona auch noch die Grippewelle grassiert: "Es funktioniert ja jetzt schon nicht. [...] Wer kein Fieber hat, wird nicht getestet – offenbar nicht einmal, wenn du aus einem Hotspot kommst."

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