Der Abschuss eines Forschungswolfs im Bezirk Schwaz sorgt für heftige Kritik. Das Tier trug laut Land Tirol ein wissenschaftliches Senderhalsband eines italienischen Forschungsprojekts und lieferte wichtige Daten über Wanderbewegungen und die Nutzung von Lebensräumen, das kritisiert der WWF.
Für die Tierschutzorganisation ist der Fall ein Symbol für eine verfehlte Wolfsstrategie. "Während Italien die Wanderbewegungen der Wölfe erforscht, schießt Österreich Tiere aus solchen Projekten ab. Diese Schieflage sollte die Landesregierung zum Anlass nehmen, ihren Feldzug gegen eine geschützte Art dringend zu überdenken", sagt WWF-Experte Christian Pichler.
Besenderte Wölfe ermöglichen Forschern seltene Einblicke in das Verhalten der Tiere. Die Daten zeigen, welche Gebiete genutzt werden, wie weit Wölfe wandern und wo Konflikte mit der Nutztierhaltung entstehen können. Diese Erkenntnisse gelten als wichtige Grundlage für Herdenschutz und Prävention.
"Ein modernes Wolfsmanagement muss auf Wissen aufbauen und Konflikte vorausschauend reduzieren. Stattdessen setzt Tirol viel zu stark auf Abschüsse und nimmt dabei sogar den Verlust wertvoller Forschungsdaten in Kauf", kritisiert Pichler.
Der WWF fordert deshalb eine Kurskorrektur im Wolfsmanagement. Vor Entscheidungen über besenderte Tiere sollten Behörden die zuständigen Forschungseinrichtungen einbinden und vorhandene Erkenntnisse stärker nutzen. Zudem spricht sich die Artenschutzorganisation für eine intensivere Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg aus.
Der aktuelle Abschuss ist nicht der erste seiner Art. Schon im Februar wurde in Kärnten im Bezirk Spittal an der Drau ein Wolf aus einem italienischen Forschungsprojekt getötet. Damit wurden heuer bereits zwei wissenschaftlich markierte Tiere aus dem Nachbarland abgeschossen.
"Die Schlussfolgerung aus beiden Fällen liegt auf der Hand: Österreich sollte sein Wolfsmanagement stärker auf Wissenschaft, Prävention und Herdenschutz ausrichten. Zugleich sollte die Zusammenarbeit im Alpenraum verstärkt werden", sagt Pichler.
Anstelle weiterer Abschüsse fordert der WWF eine Herdenschutz-Offensive. Dazu gehören umfassende Beratung, ausreichend finanzierte Schutzmaßnahmen, faire Entschädigungen und eine stärkere Nutzung wissenschaftlicher Daten.
"Fachgerechter Herdenschutz reduziert Konflikte und stärkt die Tiergesundheit auf den Almen, weil Verletzungen und Krankheiten bei Weidetieren reduziert werden", so der WWF-Experte.