Von großer Anspannung war Philipp Hochmair am Samstagabend zumindest äußerlich nichts zu erkennen. Nur wenige Minuten vor der Premiere schlenderte der Schauspieler durch die Reihen der Festspielgäste, schüttelte Hände, posierte für Selfies und rief gut hörbar: "Danke Hugo von Hofmannsthal für das tolle Stück".
Zum dritten Mal steht Hochmair heuer als "Jedermann" auf dem Domplatz. Routine will sich bei ihm dennoch nicht einstellen. "Es fühlt sich immer an wie eine Premiere", erklärte er vor der Aufführung.
Nach dem Schlussapplaus verlagerte sich das Geschehen in den Stieglkeller. Pünktlich um Mitternacht wurde dort mit dem traditionellen Bieranstich die Premierenfeier eröffnet. Hochmair zeigte auch am Fass keine Schwächen. Gemeinsam mit Buhlschaft Roxane Duran benötigte er nur wenige Schläge.
Ganz ohne Spuren blieb der Anstich allerdings nicht. Durans auffälliges Kleid von Designerin Susanne Bisovsky bekam einige Bierspritzer ab. "Das macht nichts, gehört hier wahrscheinlich einfach dazu", nahm Duran es aber gelassen.
Festspielintendantin Karin Bergmann zeigte sich nach ihrer ersten Salzburger Premiere erleichtert und begeistert. "Ich freue mich riesig, dass meine erste Premiere in Salzburg so gelungen ist. Es war eine Wiederaufnahme, und Robert Carsen hat sich noch einmal besser gemacht", sagte sie.
Auch Daniela Ziegler, die heuer erstmals als Mutter im "Jedermann" zu sehen ist, fiel nach der Vorstellung ein Stein vom Herzen. "Hier zu spielen, ist schon was ganz Besonderes, deshalb war ich ungewöhnlich nervös und jetzt sehr erleichtert".
Besonders kurzfristig musste Meike Droste einspringen. Erst wenige Tage vor der Premiere übernahm sie die Doppelrolle "Armer Nachbar" und "Werke". "Das war schon eine ziemliche Challenge, aber jeder im Team hat mich super unterstützt", meinte sie.
Hochmair feierte übrigens in kurzer Lederhose, offenem Sakko, ohne Hemd und mit Zigarre. Natürlich kam dabei auch jene Szene zur Sprache, die bereits vorab für Gesprächsstoff gesorgt hatte. Sein nahezu unbekleideter Auftritt.
"Nackt, das war mir einfach wichtig, ich wollte das so machen. Im ersten Jahr hatte ich eine schwarze Unterhose an, letztes Jahr eine weiße, heuer noch weniger. Mal schauen, was noch kommt", so Hochmair mit einem Augenzwinkern.