Die Enttäuschung sitzt tief. Deutschlands WM-Traum ist mit dem 4:5 im Elfmeterschießen gegen Paraguay bereits im Sechzehntelfinale geplatzt – jetzt beginnt im Nachbarland die Aufarbeitung. Im DFB-Quartier rauchen die Köpfe, Krisengespräche stehen bevor. Ein deutliches Zeichen: Die ursprünglich geplante Abschluss-Pressekonferenz von Bundestrainer Julian Nagelsmann wurde kurzfristig abgesagt. Statt eines letzten öffentlichen Auftritts trat die Mannschaft direkt die Heimreise an. Ab jetzt wird geschwiegen. Ein erster Hinweis auf einen möglichen Rauswurf?
Schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff spielten sich emotionale Szenen ab. Kapitän Joshua Kimmich kämpfte mit den Tränen und versuchte dennoch, seine Mitspieler aufzurichten. In der Kabine herrschte anschließend bedrückende Stille. Mehrere Spieler weinten, auch Nagelsmann fand zunächst kaum Worte. Der Teamchef bedankte sich lediglich für den Einsatz seiner Mannschaft, ehe jeder versuchte, die bittere Niederlage zu verarbeiten.
Öffentlich stellte sich Nagelsmann zwar der Verantwortung, ließ seine Zukunft aber offen. "Ich stehe bereit, wenn man das möchte", sagte der 38-Jährige. Gleichzeitig räumte er ein, dass ein Aus bereits in der ersten K.o.-Runde "deutlich zu wenig für den deutschen Fußball" sei. Der Rückhalt scheint nach fast drei Jahren im Amt jedenfalls stark geschrumpft.
Auch intern ist klar, dass schwierige Entscheidungen bevorstehen. Nach Informationen von "Sport1" wird Nagelsmann vorerst nicht mehr öffentlich auftreten. Stattdessen sollen in den kommenden Tagen Gespräche mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig folgen. Weltmeister Mats Hummels hatte unmittelbar nach dem Aus bereits personelle Konsequenzen gefordert.
Auf der Rückreise war die Stimmung entsprechend niedergeschlagen. Im Mannschaftsflieger begleiteten zahlreiche Familien die Nationalspieler zurück nach Winston-Salem. Besonders Nagelsmann erhielt dabei privaten Beistand: Seine Ehefrau Lena stand dem sichtlich geknickten Teamchef tröstend zur Seite. Auch nach der Landung wirkte der Bundestrainer tief getroffen.
Ob Nagelsmann trotz der dritten enttäuschenden Weltmeisterschaft Deutschlands in Folge im Amt bleibt, dürfte sich nun rasch entscheiden. Fest steht: Die Diskussionen um seine Zukunft haben längst begonnen – und das Schweigen nach der WM-Blamage spricht derzeit lauter als jede Pressekonferenz.