Vorarlberg fällt im aktuellen Rechtsextremismus-Bericht des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) gleich doppelt negativ auf: In keinem anderen Bundesland ist der Anstieg rechtsextremer Tathandlungen so stark, und nirgends gibt es mehr Fälle im Verhältnis zur Einwohnerzahl.
Konkret wurden im Jahr 2024 in Vorarlberg 113 rechtsextreme Taten gezählt – ein Plus von 46,8 Prozent im Vergleich zu 2023. Zwar liegt das Bundesland in absoluten Zahlen nur im Mittelfeld (Wien: 384 Fälle, Burgenland: 40), doch auf 100.000 Einwohner gerechnet ist Vorarlberg mit 27,6 Taten trauriger Spitzenreiter. Der Österreich-Schnitt liegt bei 16,2.
DÖW-Projektleiter Bernhard Weidinger führt das unter anderem auf die geografische Lage im Drei-Länder-Eck zurück. Neonazi-Szenen aus der Schweiz und Süddeutschland würden nach Vorarlberg ausstrahlen, berichtet der ORF. Auch die wachsende Sensibilität von Polizei und Bevölkerung trage dazu bei, dass mehr Fälle zur Anzeige kämen.
Inhaltlich zeigt sich: In Vorarlberg ist der klassische Neonazismus besonders stark vertreten. Strömungen wie die "Neue Rechte" oder Identitäre spielen laut Weidinger hingegen kaum eine Rolle. Auffällig ist auch der türkische Rechtsextremismus, der im Westen Österreichs besonders starke und offen agierende Strukturen aufweist.
Etwa 60 Prozent der rechtsextremen Fälle betreffen Verstöße gegen das Verbotsgesetz – etwa durch NS-Symbole oder Leugnungen des Holocausts. Der Rest umfasst Delikte wie Verhetzung, Sachbeschädigung oder Körperverletzung.