Noch vor einem Jahr war die Australierin Chelsea Speirs, die an Autismus und ADHS leidet, ein sorgloser und gesunder 16-jähriger Teenager, der die Schule besuchte und auf seinen Traum vom Astrophysikstudium hinarbeitete. Doch ihre Welt wurde auf den Kopf gestellt, als sie sich am 18. Juni letzten Jahres einen Magen-Darm-Virus einfing. Der Infekt war zwar nicht besonders schlimm, verlief die Erholungsphase nicht wie geplant. Das Mädchen fühlte sich weiterhin schwach. Die Eltern führten dies auf den Nahrungsmangel während des Infekts zurück, da sie nur Flüssigkeiten getrunken hatte. Doch während Chelsea in den nächsten Tagen wieder an Kraft in ihrem Oberkörper gewann, blieb ihr Unterkörper schwach und sie hatte Probleme beim Gehen. "Sie konnte nur mit gestreckten Beinen gehen. Sobald sie das Kniegelenk beugte, fiel sie zu Boden“, so die Mutter. Sie wurde ins Spital gebracht, wo nach einer Reihe von Tests eine funktionelle neurologische Störung (FND) diagnostiziert wurde. In Australien sind etwa vier bis zwölf von 100.000 Menschen betroffen – in unterschiedlichem Ausmaß.
FND ist eine neurologische Erkrankung, die auftritt, wenn eine Unterbrechung zwischen dem Empfangen und Senden von Informationen durch das Gehirn an den Rest des Körpers besteht. Dabei sind nicht die Nerven geschädigt, es handelt sich vielmehr um eine Fehlanpassung (einen "Programmfehler") der Informationsverarbeitung im Gehirn.
Die Krankheit äußert sich mit vielen verschiedenen Symptomen, die das Leben ganz massiv beeinflussen können, vergleichbar mit einer Multiplen Sklerose, Parkinson, Schlaganfall oder Epilepsie. Es gibt keine spezifischen Behandlungen für eine funktionelle neurologische Störung (FND), aber es gibt Behandlungen für einige der Symptome.
Die Ärzte sagten zunächst voraus, dass sie sich mit Physiotherapie in wenigen Wochen erholen würde. Doch im Laufe der Wochen wurden die Symptome immer schlimmer. Etwa einen Monat nach der Diagnose verlor sie ihre Stimme. Fünf Monate später wurden ihre Beine so schwach, dass sie auf einen Rollstuhl angewiesen war.
Im Februar 2023 verschlechterte sich ihr Zustand noch weiter, als sie jede Bewegung in ihrem Körper verlor. In den folgenden Monaten wurde sie von einer Reihe von Ärzten und Spezialisten behandelt, konnte sich aber nicht wieder bewegen. Trotz allem konnte die Teenagerin erst vor ein paar Wochen von ihren Eltern nach Hause gebracht werden – gerade rechtzeitig, um ihren 17. Geburtstag zu feiern. Sie benötigt zwei Pflegekräfte, die ihr bei ihren persönlichen Bedürfnissen helfen.
Wenn sie wach ist, kann die Teenagerin weder sprechen noch gehen oder auch nur ihre Arme und Beine bewegen. Die 17-Jährige ist fast völlig bewegungslos und scheinbar in ihrem eigenen Körper gefangen. "Sie kann ihre Finger und Hände leicht bewegen", sagte erzählt die Mutter Meredith Speirs. "Sie kann auch ganz leicht nicken oder den Kopf schütteln – so kann man von ihr 'Ja' oder 'Nein' als Antwort bekommen. Andernfalls muss sie es in ihr Telefon eingeben."
Das ändert sich jedoch, wenn Chelsea schläft. "Dann dreht sie sich um und bewegt sich und hört nicht auf. Aber je leichter sie schläft, desto langsamer wird die Bewegung. Von dem Moment an, in dem sie aufwacht, kann sie sich nicht mehr aus der Position bewegen."
Die Familie hat mit den Kosten zu kämpfen, denn das Mädchen erhält nur Geld für ihren Autismus, nicht für ihre neurologische Erkrankung. Die National Disability Insurance Agency erklärte, dass dies daran liegt, dass sie die funktionelle neurologische Störung nicht als Dauerzustand anerkennt. Da die die Mutter ihren Job aufgeben musste, um sich um die Tochter zu kümmern, haben Angehörige nun eine Online-Spendenaktion gestartet , um Chelseas medizinische Kosten zu decken.