Innovation aus Wien

"HealthAEye" – Forscher entwickeln Handy-Test fürs Auge

Forscher aus Wien entwickeln eine KI, die mit Smartphone-Fotos der Netzhaut Krankheiten früh entdecken soll – von Augenschäden bis zu Herzproblemen.
Heute Life
10.03.2026, 08:40
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Ein einfacher Blick ins Auge kann schon viel verraten. Denn die Netzhaut ist nicht nur ein Spiegel für Augenerkrankungen, sondern zeigt auch, wie es generell um Deine Gesundheit steht. Sie kann Hinweise auf das Altern, auf Krankheiten wie Alzheimer oder auf Herz-Kreislauf-Probleme liefern. Ärztinnen und Ärzte setzen für genaue Bilder von der Netzhaut derzeit auf spezielle Geräte wie die optische Kohärenztomografie (OCT). Diese Apparate sind aber groß, kosten ein Vermögen und sind nicht überall verfügbar.

HealthAEye

Genau das will jetzt ein Team der Medizinischen Universität Wien rund um Hrvoje Bogunović ändern. Im Forschungsprojekt "HealthAEye" soll das Handy zum Diagnosewerkzeug werden. "Die Sensoren liefern heute eine deutlich höhere Auflösung und bessere Bildqualität als noch vor einigen Jahren. Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass man überhaupt Bilder erzeugen kann, die für medizinische Anwendungen interessant sind", sagt Bogunović der Plattform "futurezone".
Ganz ohne Zubehör geht es aber nicht: Für Netzhautaufnahmen brauchst Du zusätzlich ein Ophthalmoskop – also einen Aufsatz, damit das Handy die Netzhaut überhaupt richtig abbilden kann.

Mit HealthAEye wollen Bogunović und sein Team die laufende Kontrolle für Patienten vereinfachen, die schon eine Diagnose haben und regelmäßig behandelt werden müssen. "Bei Erkrankungen wie der feuchten altersbedingten Makuladegeneration oder dem diabetischen Makulaödem sind die verfügbaren Therapien zwar wirksam, aber oft nicht besonders lang anhaltend. Das heißt, viele Betroffene brauchen alle paar Monate wieder Injektionen", erklärt der Forscher. Wann genau die nächste Behandlung notwendig ist, ist aber von Mensch zu Mensch verschieden.
Genau hier soll HealthAEye helfen. "Dadurch könnte man Veränderungen früher erkennen und die Behandlung möglichst zum richtigen Zeitpunkt durchführen – also weder zu früh noch zu spät. Das könnte Ergebnisse verbessern und unnötige Klinikbesuche reduzieren", so Bogunović.

So funktioniert es

Das Ganze funktioniert mithilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI), die an der Medizinischen Universität Wien entwickelt wird. Sie wird mit Handyfotos vom Augenhintergrund trainiert. "Als Referenz verlassen wir uns aber auf die optische Kohärenztomografie (OCT), die derzeit der Goldstandard ist, wenn es darum geht, krankhafte Veränderungen in der Netzhaut sicher zu erkennen. Das heißt: Die KI lernt anhand von Fundusbildern, aber die OCT liefert uns die verlässliche medizinische Grundlage dafür, ob eine Läsion oder Krankheitsaktivität tatsächlich vorhanden ist."

Das Gerät kommt zum Patienten

Das Team orientiert sich dabei an internationalen Empfehlungen für vertrauenswürdige medizinische KI, etwa an den neuen "FUTURE AI"-Leitlinien. "Damit stellen wir sicher, dass die Entwicklung nicht nur technisch, sondern auch medizinisch und ethisch sauber erfolgt." Ziel ist, die Gesundheitsüberwachung günstiger und für mehr Menschen erreichbar zu machen. "Statt immer komplexere und teurere Hardware zu bauen, wollen wir intelligente Software entwickeln – also KI-Modelle, die auch in einfacheren Fotos vom Augenhintergrund sehr feine Krankheitszeichen erkennen können", sagt Bogunović. Das würde laut ihm einen echten Wandel bringen: Nicht mehr der Patient muss zum Gerät, sondern das Gerät kommt zum Patienten.

Vorsorge zu Hause

Langfristig könnte diese Netzhautbildgebung sogar Teil der Vorsorge zu Hause werden – "ähnlich wie heute Menschen ein Blutdruckmessgerät zu Hause haben", meint der Projektleiter. HealthAEye ist als Ergänzung gedacht, damit Veränderungen früher auffallen oder sich zeigt, dass die nächste Behandlung früher nötig ist. "Es geht ausdrücklich nicht darum, die reguläre klinische Betreuung zu ersetzen", betont er.

{title && {title} } red, {title && {title} } 10.03.2026, 08:40
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