Science

Neue 3D-Aufnahmen zeigen Titanic-Wrack wie noch nie 

Vor 111 Jahren sank der Dampfer und liegt seither in 3.800 Metern Tiefe. Neue 3D-Aufnahmen sind die detailliertesten, die es je gab.

Sabine Primes
Digitaler "Zwilling": Mit zwei ferngesteuerten Tauchbooten verbrachte ein Forscherteam im vergangenen Sommer sechs Wochen im Nordatlantik, um das gesamte Schiffswrack und das umgebende 4,8 Kilometer lange Trümmerfeld zu kartieren.
Digitaler "Zwilling": Mit zwei ferngesteuerten Tauchbooten verbrachte ein Forscherteam im vergangenen Sommer sechs Wochen im Nordatlantik, um das gesamte Schiffswrack und das umgebende 4,8 Kilometer lange Trümmerfeld zu kartieren.
Youtube/ The Times and The Sunday Times

In der Nacht von 14. auf 15. April 1912 sank die als "unsinkbar" geltende Titanic auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York. Viele Mythen ranken sich seither um das berühmteste Schiffswrack der Welt. Und obwohl das Unglück bereits 111 Jahre her ist und die Wissenschaft sich an der Katastrophe abarbeitet, konnten noch nicht alle Fragen endgültig aufgeklärt werden. Unglaubliche neue 3D-Bilder könnten der Schlüssel zu neuen Antworten sein.

Detaillierter denn je

Tiefseeforscher haben den ersten digitalen Scan der Titanic in voller Größe fertiggestellt, der das gesamte Wrack in noch nie dagewesener Detailtreue und Klarheit zeigt. Mit zwei ferngesteuerten Tauchbooten verbrachte ein Forscherteam im vergangenen Sommer sechs Wochen im Nordatlantik, um das gesamte Schiffswrack und das umgebende 4,8 Kilometer lange Trümmerfeld zu kartieren, in dem persönliche Gegenstände der Passagiere des Ozeandampfers, wie Schuhe und Uhren, verstreut waren. Richard Parkinson, Gründer und Geschäftsführer des Tiefsee-Explorationsunternehmens Magellan, schätzt, dass die daraus resultierenden Daten – darunter 715.000 Bilder – zehnmal größer sind als jedes jemals zuvor versuchte 3D-Unterwassermodell.

Digitaler "Zwilling"

"Es ist eine absolut eins zu eins digitale Kopie, ein 'Zwilling' der Titanic in jedem Detail", sagte Anthony Geffen, Leiter des Dokumentarfilmherstellers Atlantic Productions. 1912 gesunken, wurde das Wrack 1985 entdeckt und liegt etwa 3.800 Meter unter dem Meer, etwa 700 Kilometer vor der Küste Kanadas. Geffen sagt, dass frühere Bilder der Titanic oft durch schlechte Lichtverhältnisse eingeschränkt waren und es den Betrachtern nur erlaubten, jeweils einen Bereich des Wracks zu sehen. Das neue fotorealistische 3D-Modell zeige sowohl den Bug- als auch den Heckbereich, der sich beim Untergang abgetrennt habe, in allen Einzelheiten – einschließlich der Seriennummer auf der Schiffsschraube.

Die Forscher haben sieben Monate damit verbracht, die große Menge an Daten, die sie gesammelt haben, zu rendern, und  nächstes Jahr soll ein Dokumentarfilm über das Projekt erscheinen. Darüber hinaus hofft Geffen, dass die neue Technologie den Forschern helfen wird, die Details des Schicksals der Titanic zu ergründen und den Menschen eine neue Art der Interaktion mit der Geschichte zu ermöglichen. "Alle unsere Annahmen darüber, wie die Titanic gesunken ist, und viele Details über die Titanic beruhen auf Spekulationen, weil es kein Modell gibt, das man rekonstruieren oder genaue Entfernungen berechnen kann", sagte er. "Ich bin begeistert, denn diese Qualität des Scans wird es den Menschen in der Zukunft ermöglichen, selbst durch die Titanic zu gehen."