Weniger Geld, mehr Warten

Neue Regeln! EU will Rechte von Flugpassagieren ändern

Ausgerechnet kurz vor der Urlaubssaison drohen Millionen Flugreisenden in Europa gravierende Einschnitte bei ihren Rechten. Die Hintergründe.
André Wilding
02.06.2026, 06:55
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In Brüssel wird derzeit über eine Reform der Fluggastrechte verhandelt, die nach Ansicht von Konsumentenschützern vor allem den Airlines zugutekommen könnte.

Noch diese Woche steht eine entscheidende Gesprächsrunde zwischen EU-Parlament, Ministerrat und Kommission an. Bis Mitte Juni soll eine Einigung erzielt werden. Es ist bereits der dritte Versuch, die bestehenden Regeln zu ändern. Frühere Anläufe scheiterten am Widerstand einzelner Staaten.

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Reisende könnten auf Kosten sitzen bleiben

Im Zentrum der Debatte stehen die Entschädigungen bei Flugverspätungen. Aktuell erhalten Passagiere bei Verspätungen von mehr als drei Stunden je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro. Nach den Plänen der EU-Kommission würden diese Beträge deutlich sinken und nur noch rund ein Drittel der bisherigen Höhe ausmachen.

Auch bei Ersatzflügen sollen laut "Kronen Zeitung" neue Grenzen eingezogen werden. Während Fluggesellschaften derzeit sämtliche Kosten einer alternativen Beförderung übernehmen müssen, soll die Erstattung künftig auf das Vierfache des ursprünglichen Ticketpreises beschränkt werden. Dadurch könnten Reisende auf einem Teil ihrer Ausgaben sitzen bleiben.

Geändert werden soll zudem der Ablauf bei Umbuchungen. Fluggäste müssten künftig aktiv erklären, dass sie ihre Reise fortsetzen möchten, und könnten anschließend bis zu drei Stunden auf ein Angebot der Airline warten. Dieses müsste nicht zwingend die schnellste oder gleichwertige Verbindung sein. Auch andere Flughäfen, alternative Routen oder sogar andere Verkehrsmittel wären möglich.

No-Show-Gebühr"

Für Kritik sorgen außerdem die geplanten Ausnahmen bei Entschädigungen. Nach den derzeit diskutierten Regeln würden unter anderem Personalstreiks sowie Ausfälle von Piloten oder Kabinenpersonal automatisch als Fälle gelten, in denen Fluggesellschaften keine Entschädigung zahlen müssen. Gewerkschaften sehen darin eine erhebliche Schwächung ihrer Verhandlungsposition.

Diskutiert wird zudem eine sogenannte "No-Show-Gebühr". Diese soll fällig werden, wenn Passagiere ihren Flug nicht antreten. Kritiker sehen darin vor allem Vorteile für Airlines, die Flüge regelmäßig überbuchen. Scharfe Worte findet dazu Roman Haider, ehemals FPÖ-Nationalratsabgeordneter und jetzt Mitglied des Europäischen Parlaments, in der "Kronen Zeitung": "Nichts anderes als ein raffiniertes Kartell-Instrument". Zudem kritisiert er: "Billige Tickets, um Regionalkonkurrenz kaputtzumachen, und hinterher vom Steuerzahler auch noch Subventionen verlangen. Diese Praxis hat in einer freien Marktwirtschaft keinen Platz."

Unterstützt wird die Reform vor allem von mehreren osteuropäischen Mitgliedstaaten, darunter die baltischen Länder, Polen und Tschechien. Widerstand kommt hingegen unter anderem aus Österreich, Deutschland, Portugal, Slowenien und Spanien.

"An der Seite der Bürger stehen"

Auch aus Wien gibt es deutliche Kritik. "Ich erwarte mir von Europa, dass es an der Seite seiner Bürgerinnen und Bürger steht und nicht nur an der Seite der Fluglobby. Wenn die Fluglinie Probleme verursacht, kann es nicht sein, dass die Rechnung am Ende bei den Reisenden landet", sagt Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), zuständig für Konsumentenschutz, gegenüber der "Krone".

Ob und in welcher Form die Änderungen tatsächlich kommen, wird sich in den kommenden Tagen entscheiden. Für Urlauber steht jedenfalls viel auf dem Spiel.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 02.06.2026, 06:55
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