Der Winter rückt näher und damit wird es für Autofahrer in Österreich wieder ernst. Wer bei Schnee oder Eis mit den falschen Reifen unterwegs ist, muss mit empfindlichen Konsequenzen rechnen. Neben Geldstrafen können bei einem Unfall auch Probleme mit der Versicherung drohen. Im schlimmsten Fall stehen sogar bis zu 10.000 Euro Strafe im Raum.
In Österreich beginnt am 1. November die gesetzliche Winterreifenzeit. Sie dauert bis zum 15. April des folgenden Jahres. Allerdings bedeutet das nicht, dass jedes Auto in diesem Zeitraum durchgehend mit Winterreifen ausgestattet sein muss.
Für Pkw bis 3,5 Tonnen gilt die sogenannte "situative Winterreifenpflicht". Entscheidend sind also die tatsächlichen Straßenverhältnisse.
"Herrschen also winterliche Fahrverhältnisse, müssen Autos geeignete Reifen haben", erklärt Klaus Robatsch, Verkehrssicherheitsexperte beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Bei Schnee, Schneematsch oder Eis müssen Autofahrer somit entsprechend ausgerüstet sein. Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gelten strengere Vorschriften.
Auch bei Schneeketten gibt es Unterschiede. "Omnibusse und Lkw müssen Ketten mitführen, Autos sind theoretisch nicht verpflichtet", wird Robatsch in der Tageszeitung zitiert.
Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne geeignete Bereifung erwischt wird, muss zahlen. Wie hoch die Strafe ausfällt, hängt allerdings vom jeweiligen Bundesland und den Umständen ab.
"Das liegt daran, dass hier das Kraftfahrzeuggesetz zum Einsatz kommt, das die Bundesländer nicht einheitlich ausführen, obwohl wir das schon lange fordern", erklärt Robatsch in der "Kleinen Zeitung".
Laut dem Experten und dem ÖAMTC liegen die Strafen im Durchschnitt bei rund 100 Euro.
Deutlich teurer kann es werden, wenn durch die falsche Bereifung andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. In solchen Fällen sind laut ÖAMTC theoretisch Geldstrafen von bis zu 10.000 Euro möglich.
Besonders unangenehm können die Folgen werden, wenn es mit ungeeigneten Reifen zu einem Verkehrsunfall kommt. Dann kann dem Lenker eine Mitschuld angelastet werden.
Auch die Versicherung kann unter bestimmten Umständen Probleme machen. "Ein Regress der Haftpflichtversicherung ist in solchen Fällen schon vorgekommen", berichtet Robatsch im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung".
Das bedeutet, dass die Versicherung unter bestimmten Voraussetzungen bereits bezahlte Beträge vom Versicherten zurückfordern kann.
Auch bei einer Kaskoversicherung kann die falsche Bereifung Auswirkungen auf die Leistung haben. Je nach Unfallhergang und Schwere können zudem gerichtliche Auseinandersetzungen folgen.
Nicht nur der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel ist wichtig. Auch der Zustand der Winterreifen spielt eine entscheidende Rolle.
Bei üblichen Radialreifen schreibt das Gesetz für die Verwendung als Winterreifen eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern vor. Sind die Reifen bereits stark abgenutzt oder zeigen sich Risse, empfiehlt der Experte eine Überprüfung in einer Fachwerkstatt.
Auch das Alter sollte nicht unterschätzt werden. "Es kommt darauf an, wie viele Kilometer man zurücklegt, aber spätestens alle vier Jahre sollte ein Reifensatz gewechselt werden", heißt es im Bericht der Tageszeitung.
Ob ein Reifen für winterliche Bedingungen geeignet ist, lässt sich an seiner Kennzeichnung erkennen. In Österreich sind unter anderem die Markierungen "M & S" oder "M.S." relevant. Sie stehen für Matsch und Schnee.
Allerdings gibt es bei diesen Kennzeichnungen einen Haken. "Dieses Symbol ,verleihen‘ sich die Hersteller aber gerne selbst", erklärt Robatsch der "Kleinen Zeitung". Eine einheitliche Prüfung der Wintertauglichkeit ist damit nicht automatisch verbunden.
Mehr Sicherheit bei der Auswahl bietet das sogenannte 3PMSF-Symbol. Dabei handelt es sich um einen Berg mit drei Gipfeln und einer Schneeflocke. Für diese Kennzeichnung müssen Reifen festgelegte Anforderungen an ihre Leistung auf Schnee erfüllen.
Ein weiterer Punkt wird laut Robatsch häufig übersehen: der richtige Luftdruck. Bei winterlichen Bedingungen empfiehlt der Verkehrssicherheitsexperte einen um 0,2 bar höheren Reifendruck als den allgemein empfohlenen Wert.
Autofahrer sollten daher nicht nur rechtzeitig an den Reifenwechsel denken, sondern auch Profil, Zustand und Luftdruck kontrollieren.
Denn ab dem 1. November kann eine Fahrt mit ungeeigneten Reifen bei Schnee und Eis nicht nur gefährlich, sondern auch richtig teuer werden.