Gewerkschaft zögert

Neues Angebot – jetzt redet AUA-Chefin im ORF Klartext

Die AUA hat ihr Angebot nachgebessert, die Gewerkschaft will übers Wochenende ihre Mitglieder darüber abstimmen lassen. Streiks sind nicht vom Tisch.

Österreich Heute
Neues Angebot – jetzt redet AUA-Chefin im ORF Klartext
Ein neuerlicher Streik des AUA-Bordpersonals ist noch nicht vom Tisch.
ROBERT JAEGER / APA / picturedesk.com

Nach vier Stunden ist am Mittwochabend die 20. Verhandlungsrunde für das Bordpersonal abgebrochen worden. Die Austrian Airlines (AUA) hatten ihr Angebot zuletzt nachgebessert, die Gewerkschaft will es zur Abstimmung nun der Belegschaft vorlegen – ein weiterer Streik ist aber noch nicht vom Tisch, heißt es.

Zwar will man den Arbeitnehmern die geforderte 18-prozentige Erhöhung zugestehen, doch es gibt ein Aber: Das Angebot zieht sich über drei Jahre. Im ersten Jahr soll es 8 Prozent Plus und dann in den beiden folgenden jeweils 5 Prozent Plus geben. Damit würde man das Risiko einer anhaltend hohen oder sogar neuerlich steigenden Inflation den Arbeitnehmern umhängen.

Abstimmung übers Wochenende

"Ich glaube, das ist ein sehr gutes Angebot, das reflektiert, dass wir die Gehälter der Mitarbeiter weiterentwickeln wollen, dass wir aber auch gleichzeitig einen großen Investmentbedarf in neue Flugzeuge, in Wachstum – was übrigens auch den Mitarbeitern zugutekommt, weil dadurch neue Stellen geschaffen werden –, insofern versuchen wir die ganzheitliche Perspektive zu sehen", so AUA-Chefin Annette Mann im Ö1-"Morgenjournal"

Für die Gewerkschaft nur eine minimale Verbesserung. Sie fordert ja eine schrittweise Angleichung der AUA-Gehälter an den Lufthansa-Mutterkonzern – das würde eine Anhebung um bis zu 40 Prozent bedeuten. Das werde nicht erfüllt, sagt Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida: "Unterm Strich hat das AUA-Management jetzt ein Angebot vorgelegt, das zwar verbessert, dafür aber zeitlich gestreckt wurde".

AUA-CEO Annette Mann am 28. März 2024 während eines Statements anlässlich des Streiks des Betriebsrats Bord und der Gewerkschaft vida am Flughafen Wien Schwechat.
AUA-CEO Annette Mann am 28. März 2024 während eines Statements anlässlich des Streiks des Betriebsrats Bord und der Gewerkschaft vida am Flughafen Wien Schwechat.
GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com

Nun sollen die Mitglieder – etwa 2.100 AUA-Angestellte, 60 Prozent der Belegschaft – online über das Angebot abstimmen, dafür ist nun bis Anfang der Woche Zeit. Sollte das Angebot abgelehnt werden, drohen weitere Arbeitskampfmaßnahmen – "das heißt Streik", so Liebhart.

"Hoffe, dass wir AUA nicht neu denken müssen"

Das AUA-Management bietet hingegen über zwei Jahre lediglich bis zu 18 Prozent mehr für Piloten und Flugbegleiter und plus 28 Prozent für Co-Piloten. "So massiv höhere Gehälter in einer AUA würden einfach bedeuten, dass wir uns das Wachstum und die Zukunftsperspektiven nicht mehr leisten können", erklärt die AUA-Chefin.

Sollte es also tatsächlich zu einem Abschluss kommen, der für die AUA zu hoch ist, dann würden viele Strecken unrentabel werden: "Wir fliegen auf vielen Strecken gegen Low-Cost-Airlines, Turkish Airlines sind da sehr stark, bzw. müssen wir dann auf andere Konzern-Airlines, die diese Strecken dann günstiger bedienen können, umstellen. Das heißt also genau, dass es die Zukunftsperspektiven nicht gibt, wie sie jetzt geplant sind. Ich hoffe, dass wir die AUA nicht neu denken müssen", so Mann im Ö1-Interview.

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Auf den Punkt gebracht

  • Die 20
  • Verhandlungsrunde für das Bordpersonal der Austrian Airlines wurde abgebrochen
  • Die Gewerkschaft plant, das verbesserte Angebot des Unternehmens der Belegschaft vorzulegen, doch ein weiterer Streik bleibt eine Möglichkeit
  • Das Angebot umfasst eine schrittweise Gehaltserhöhung über drei Jahre, was jedoch von der Gewerkschaft als unzureichend angesehen wird
  • Es wird nun online über das Angebot abgestimmt, und bei einer Ablehnung drohen weitere Streiks
  • AUA-Chefin Annette Mann argumentiert, dass höhere Gehälter die Zukunftsperspektiven des Unternehmens gefährden würden
red
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