Es ist das nächste große Vorzeigeprojekt der Wiener Stadträtin Ulli Sima – diesmal in Meidling: Mit Bezirksvorsteher Wilfried Zankl (SPÖ) präsentierte sie im Zuge einer Öko-Offensive stolz ein "innovatives Nutzungskonzept" im Meidlinger Friedhof. Nun steht eine "Muckibude" direkt neben Grabsteinen.
Sima spricht in einer Aussendung von einem "wichtigen Grün- und Erholungsraum" – Hunderte Leser widersprechen der Stadträtin und monieren "krankes" und "respektloses" Vorgehen sowie Verhöhnung Verstorbener und Hinterbliebener. Das sagen die "Heute"-Leser.
Die Freiluft-Fitnesszone würde laut Sima "attraktive Räume für Mensch und Natur und einen weiteren Beitrag zu einer klimafitten Stadt“ beitragen. Dass etwa nur wenige Minuten entfernt das 123 Hektar große Erholungsgebiet Wienerberg beginnt, reiche offensichtlich nicht.
Auch nahegelegene Grünflächen und Erholungszonen wie Haydnpark, Wilhelmsdorfer Park, Mieß Gies Park, Steinbauer Park, Marillenalm, Franz-Hübel-Park, Vivenot Park sowie dem Hermann-Leopoldi-Park spielten in den Überlegungen der Stadträtin offenbar überhaupt keine Rolle. In vielen dieser nahegelegenen Parks gibt es keine Fitness-Zone – dafür aber am Meidlinger Friedhof. Ein Leser stellt dazu fest: "Nicht einmal am Friedhof hat man seine Ruhe."
Das Friedhofs-Fitness verschlingt mindestens 35.000 Euro an Steuergeld. Allein die drei "Mobilitäts- und Gleichgewichtstrainingsgeräte" kosteten laut "Krone" 11.110 Euro. Für drei Bankerl wurden rund 2.000 Euro ausgegeben, der Rundweg kostete 500 Euro.
Die beiden neuen Friedhofswäldchen mit 140 Bäumen, Sträuchern und Pflanzen schlugen mit rund 13.500 Euro zu Buche, weitere rund 8.500 Euro wurden für 60 neue Urnengräber ausgegeben. Ein Leser meint dazu nur: "Ein Wahnsinn, was da alles abgeht, alles um unser Geld ... aber WIR müssen sparen."
Seitens der FPÖ und ÖVP gab es bereits jede Menge Kritik. "Das ist eine unfassbare Steuergeldverschwendung und an Pietätlosigkeit kaum zu überbieten", kritisiert FPÖ-Abgeordneter Lukas Brucker. Fitness am Friedhof lehnt Brucker ab. "Ein Friedhof ist ein Ort der Trauer, des Gedenkens und der Ruhe, kein Fitnesscenter. Wer auf die absurde Idee kommt, Trainingsgeräte zwischen Grabstätten aufzustellen, hat jedes Gespür für Pietät verloren."
Auch die Wiener ÖVP watscht das Projekt ab. Bezirksparteiobmann und Gemeinderat Lorenz Mayer erklärt: "Während viele Wienerinnen und Wiener unter steigenden Lebenshaltungskosten leiden und die Stadt an allen Ecken sparen müsste, werden mehr als 35.000 Euro für Fitnessgeräte auf einem Friedhof ausgegeben. Das zeigt einmal mehr, dass SPÖ und Neos völlig falsche Prioritäten setzen."
Und die Leser? Die zeigen sich wenig begeistert: "Wie pervers und ekelhaft", jetzt spinnens total", "was für eine Verhöhnung der Verstorbenen, einfach nur krank und respektlos" oder "und wieder mal eine Steuergeldverschwendung" sind nur einige der Hunderten Kommentare, die "Heute"-Leser in der Kommentarspalte absetzten.
Eine Frage drängte sich vielen Lesern besonders auf: "Wer genehmigt sowas? Warum verhindert man das nicht schon im Vorhinein? Das müssen ja mehrere entscheiden." Einem Leser fehlt für diese Baumaßnahme am Friedhof das Verständnis: "Sorry, aber wer denkt sich sowas aus? Da muss der Verstand komplett aussetzen, weil anders kann ich es mir nicht vorstellen."
Viele User tragen die Stadtpolitik ohnehin bereits zu Grabe und haben jegliche Hoffnung verloren: "Unseren Verantwortlichen ist jegliches Gefühl für das verloren gegangen, was sich gehört. Das gilt nicht nur für Verhalten auf Friedhöfen."