Ein neuartiges Virus breitet sich unter Rindern in Österreich aus. Mitte August 2026 wurde das sogenannte Shamonda-like-Virus (SHLV) erstmals hierzulande nachgewiesen. Inzwischen gibt es bestätigte Infektionen in Vorarlberg, Oberösterreich, Tirol, Salzburg, der Steiermark, Kärnten und Niederösterreich.
Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) rechnet damit, dass es dabei nicht bleiben wird: "Mit einer weiteren Ausbreitung ist zu rechnen."
Übertragen wird das Virus vermutlich durch Gnitzen. Dabei handelt es sich um kleine, blutsaugende Insekten. Auch das in Österreich bekannte Schmallenbergvirus und das Virus der Blauzungenkrankheit verbreiten sich auf diesem Weg.
Eine Infektion mit SHLV kann bei Rindern Fieber, Durchfall und einen Rückgang der Milchleistung auslösen. Laut AGES verlaufen Infektionen mit verwandten Viren allerdings in den meisten Fällen ohne oder nur mit leichten und vorübergehenden Beschwerden.
Noch nicht abschließend geklärt ist, welche Folgen eine Infektion für trächtige Tiere und deren Nachwuchs haben kann. Bei verwandten Viren können Infektionen während der Trächtigkeit zu Aborten und schweren Missbildungen bei Jungtieren führen.
Ob das auch beim neu aufgetretenen SHLV passiert, ist laut AGES derzeit noch offen. Vermutet wird, dass infizierte Muttertiere das Virus auf ihre Föten übertragen können. Dadurch könnte deren Entwicklung beeinträchtigt werden.
Für Menschen gibt es derzeit Entwarnung. "Nach heutigem Wissensstand ist von keiner Gefährdung des Menschen durch diese Viren auszugehen", erklärt die AGES.
Allerdings weist die Behörde darauf hin, dass die Annahme für das neuartige SHLV noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden muss.
Eine ursächliche Behandlung gegen das Virus gibt es derzeit nicht. Erkrankte Tiere können unterstützend unter anderem mit fiebersenkenden und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Auch ein Impfstoff gegen SHLV ist derzeit nicht erhältlich.
In Österreich wurden Infektionen bisher ausschließlich bei Rindern nachgewiesen. In der Schweiz wurde allerdings genetisches Material des Virus auch im Gehirn von Pferden mit neurologischen Symptomen gefunden. Aus anderen Ländern sind solche Nachweise bei Pferden laut AGES bisher nicht bekannt.
Aufgetaucht war das neuartige Virus Anfang August 2026 zunächst bei Rindern in Süddeutschland und der Schweiz. Auch in Frankreich wurden vergleichbare Erkrankungen und Virusnachweise festgestellt.
Genetische Untersuchungen zeigten eine besonders hohe Übereinstimmung mit dem vor allem aus Afrika bekannten Shamondavirus. Daher erhielt der neue Erreger vorläufig die Bezeichnung "Shamonda-like"-Virus.
Nur wenige Wochen später erreichte das Virus Österreich. Mitte August wurden die ersten Fälle in zwei Rinderbetrieben in Vorarlberg und Oberösterreich bestätigt. Mittlerweile hat sich SHLV über weite Teile des Bundesgebiets ausgebreitet.