Friseure verzweifelt über längere "Zwangsschließungen"

Körpernahe Dienstleister müssen im Osten Österreichs weiterhin geschlossen bleiben. (Symbolbild)
Körpernahe Dienstleister müssen im Osten Österreichs weiterhin geschlossen bleiben. (Symbolbild)Sebastian Gollnow / dpa / picturedesk.com
In Aussendungen kritisieren Wirtschafts- und Handelsvertreter die Verlängerung des Ost-Lockdowns vehement. Außerdem brauche es weitere Hilfen.  

Die Verlängerung des Lockdowns in der Ostregion bis 18. April trifft nicht bei jedem auf Zustimmung. Die Friseurinnung machte am Dienstag in einer Aussendung ihrem Unverständnis und Ärger über die Maßnahme, von der auch die körpernahen Dienstleister betroffen sind, Luft. "Das ist eine bittere Pille, weil unsere Betriebe ihre Vorreiterrolle in der Pandemiebekämpfung mustergültig ausgeübt und höchstmögliche Sicherheitsstandards umgesetzt haben. Testungen für alle Mitarbeiter und Eintrittstests für die Kunden gibt es sonst in keiner anderen Branche", betonen die Bundesinnungsmeister Dagmar Zeibig und Wolfgang Eder.

Die beiden gehen davon aus, dass die "Zwangsschließungen" der Salons und Studios die Zahl der täglichen Neuinfektionen "freilich" nicht senken werden. Stattdessen wird das Gegenteil befürchtet. "Wir haben die Sorge, dass der Pfusch blüht und es zu Infektionen im privaten Hotspot-Bereich kommt, wo keinerlei Sicherheitsmaßnahmen gewährleistet sind."

"Mit jeder weiteren Einschränkung des öffentlichen Raums verlagert man das Ansteckungsgeschehen noch stärker ins Private" - Aussendung des Handelsverbandes

Finanzielle Hilfen gefordert

Für die nun weiteren verordneten Schließtage fordern Eder und Zeibig dringend eine erhöhte Unterstützungsleistung, die Betriebe würden schon jetzt unter enormen Umsatzausfällen von bis zu 60 Prozent leiden.

Mit Unverständnis und einer Forderung nach weiteren Hilfen reagierte am Nachmittag auch der Handelsverband. In einer Aussendung schreibt dieser: "Aus unserer Sicht ist die heutige Entscheidung, Wien, Niederösterreich und das Burgenland im vierten Dauerlockdown zu halten, kaum noch argumentierbar. Mit jeder weiteren Einschränkung des öffentlichen Raums verlagert man das Ansteckungsgeschehen noch stärker ins Private – wo man eben nicht kontrollieren kann."

Was die wirtschaftliche Belange betrifft, fordert der Handelsverband ein zusätzliches Set an Corona-Hilfen, "etwa eine Ausweitung des Kurzarbeitsbonus pro Mitarbeiter für die Händler im Osten. Sinnvoll wäre überdies eine Erhöhung des Ausfallsbonus, um die bestehende Deckelungsproblematik zu entschärfen".

Appell an Kunden

Zuspruch für betroffene Betriebe kommt auch aus einer anderen Branche. Renate Scheichelbauer-Schuster,  Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich erklärt: "Ich habe aufgrund der hohen Anzahl an Infektionen zwar Verständnis für strikte Maßnahmen, allerdings ist der neue Lockdown für viele unserer Branchen und Betriebe eine wirtschaftliche und menschliche Katastrophe. Die neuen Maßnahmen werfen uns bei der so notwendigen wirtschaftlichen Erholung wieder zurück". Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen würden oft "nicht einmal die Grundlage zum Überleben sichern". Die "deutliche" Erhöhung der Zuschüsse sei ein Gebot der Stunde, so Scheichelbauer-Schuster. 

Doch die Appelle aus der Branche richten sich nicht nur an die Politik, auch die Kundschaft sei gefordert: "Soweit der Lockdown eine wirtschaftliche Tätigkeit erlaubt, bitte ich die Kundinnen und Kunden, den Gewerbebetrieben die Treue zu halten", so Scheichelbauer-Schuster. Zahlreiche Betriebe aus den unterschiedlichsten Branchen hätten geöffnet, darunter welche aus dem Bau und Ausbaugewerben (z.B. Tischler, Fliesenleger, Installateure,...). Aber auch in den Werkstätten der Kleidermacher, Textilreiniger, Kfz-Techniker sowie in den Studios der Berufsfotografen, um nur einige Beispiele zu nennen, dürfe weitergearbeitet werden.

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