Wer regelmäßig mit dem Zug unterwegs ist, kennt das Ärgernis: Jeder Sitzplatz ist besetzt – allerdings nicht von einem Menschen. Stattdessen lehnen auf jedem zweiten Sitz Rucksack, Handtasche oder Koffer. Genau dieses Verhalten will die niederländische Bahn jetzt deutlich strenger regeln.
Die niederländische Eisenbahngesellschaft Nederlandse Spoorwegen (NS) arbeitet derzeit an einer Änderung ihrer Beförderungsbedingungen, berichtet unter anderem das niederländische Portal "Treinreiziger". Künftig soll ausdrücklich festgeschrieben werden, dass Handgepäck keinen Sitzplatz belegen darf.
Bisher war das lediglich als Empfehlung formuliert. Reisende werden aufgefordert, Taschen in Gepäckablagen, unter den Sitz oder in die Ablagen über den Sitzen zu verstauen.
Hintergrund ist der wachsende Frust vieler Pendler. Laut der niederländischen Bahn trauen sich viele Reisende nicht, andere Fahrgäste darauf anzusprechen, ihre Tasche vom Nebensitz zu nehmen. Deshalb soll die neue Regel für mehr Klarheit sorgen.
Der Vorschlag wird derzeit gemeinsam mit dem niederländischen Infrastrukturministerium, dem Schienennetzbetreiber ProRail sowie Verbraucherorganisationen beraten. Auch der Fahrgastverband Rover sieht Handlungsbedarf. "Früher nahmen die Leute ihre Taschen weg, wenn im Zug viel los war. Aber jetzt tun sie immer häufiger so, als würden sie das Gedränge nicht sehen, indem sie zum Beispiel aus dem Fenster schauen. Oder die Leute weigern sich einfach, ihre Tasche wegzunehmen", wird Daan Zieren, Direktor von Rover, zitiert.
Doch statt auf Strafen setzt der Verband aber vor allem auf mehr Bewusstseinsbildung und gezielte Informationen. Deshalb soll das Zugpersonal Reisende in Zukunft verstärkt an die Regel erinnern.
In Österreich gibt es derzeit keine ausdrückliche Regel, die Taschen auf freien Sitzplätzen verbietet. Auf "Heute"-Anfrage betonen die ÖBB jedoch, dass Rücksichtnahme oberste Priorität hat.
„Eine strenge Regel gibt es dazu nicht. Wir setzen hier auf Bewusstseinsbildung mit unserer Fairplay-Rücksichtskampagne, in der darauf hingewiesen wird.“
Die Botschaft ist klar: Sitzplätze sind für Fahrgäste gedacht – nicht für Gepäck. Mit der Fairplay-Kampagne appellieren die ÖBB an gegenseitige Rücksichtnahme, insbesondere wenn Züge stark ausgelastet sind.