Niederösterreich

"Null Zeit für Patienten" – Ärztin kündigt ÖGK-Vertrag

Vier Kassenärzte für Frauenheilkunde gibt es in St. Pölten. Eine davon warf jetzt das Handtuch. "Ich will mehr Zeit für meine Patientinnen", sagt sie.
Isabella Nittner
21.04.2023, 14:27
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Insgesamt vier Plan-Kassenstellen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) gibt es in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten im fachärztlichen Bereich der Frauenheilkunde und Geburtshilfe – bei über 24.000 potentiellen Patientinnen (Frauen ab 15 Jahre) wohlgemerkt. Rechnet man auch jene Frauen hinzu, die aus dem umliegenden Bezirk St. Pölten-Land (rund 130.000 Einwohner) für den Frauenarzt-Termin in die Hauptstadt pendeln, kommt man auf etwa 85.000 Patientinnen.

Stelle in Herzogenburg vakant

Denn einen weiteren Kassenarzt innerhalb des Bezirks gibt es nur in Purkersdorf, die Stelle in Herzogenburg ist seit dem Umzug von Dr. Peter Eszlari (er übernahm eine Kassenstelle in St. Pölten) vakant.

Eine dieser St. Pöltner Planstellen wird seit Jahren von Dr. Sigrid Schmidl-Amann bekleidet. Doch der erfahrenen Gynäkologin reicht es, sie warf jetzt das Handtuch und kündigte den Vertrag mit der ÖGK. Verzichten muss man auf ihre Expertise nicht, aber: Man wird sie – sofern man bei der ÖGK versichert ist  – künftig zahlen müssen. Zumindest zum Teil, denn ab Oktober ist sie nur mehr als Wahlärztin verfügbar.

"Bis Ende September wird für alle Patientinnen noch alles wie gewohnt laufen. Nach einer Woche Umzugspause ordiniert Dr. Schmidl-Amann ab Montag, 9. Oktober 2023 in der neuen Wahlarztordination Ranzonigasse 5, 3100 St. Pölten. Für die Patientinnen, die bei den so genannten 'kleinen Kassen' (also alle außer ÖGK, ehemals NÖGKK) versichert sind, ändert sich auch ab Oktober nichts. Bei diesen Patientinnen werden die Leistungen weiterhin über die E-Card abgerechnet", berichtet sie in einer Aussendung.

Dr. Sigrid Schmidl-Amann ist ab Oktober Wahlärztin für ÖGK-Versicherte, für Versicherte kleiner Kassen ändert sich nichts.
privat

"Der ausschlaggebende Faktor ist für mich ausreichende Zeit für meine Patientinnen, die ich durch die Vorgaben des Kassensystems – speziell der ÖGK – immer weniger anbieten kann. Daher habe ich mich entschlossen, den Rest meiner beruflichen Laufbahn als Wahlärztin der ÖGK tätig zu sein", erklärt die Medizinerin die Gründe für ihre Entscheidung.

"Nicht honoriert"

Ein Großteil der Frauen, die weiterhin Schmidl-Amanns Expertise vertrauen wollen, müssen also künftig zahlen. "Damit wird die Zeit von meinem Team und mir abgegolten, die der Kassenvertrag leider nicht in ausreichendem Ausmaß honoriert", sagt sie.

Auf einen Kassen-Gynäkologen kommen in St. Pölten-Stadt nun 8.000 Patientinnen, rechnet man den gesamten Bezirk mit ein sind es rund 21.000 (Purkersdorf miteinberechnet, Anm.). Und bis die nun vakante Kassenstelle wieder besetzt ist, könnte es dauern. Wie berichtet, musste die Stelle des Kinderkassenarztes in St. Pölten über 70 Mal ausgeschrieben werden, bis sich ein Mediziner fand, der diese übernahm.

Seit Jahren gibt es in fast allen Regionen in NÖ einen Ärztemangel - alles dazu hier.

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