Tausende Menschen haben sich am Wochenende von Josef Ratzenböck verabschiedet. Sie würdigten ihn als "große Persönlichkeit" und "liebenswürdigen Landesvater", der seinen Humor nie verloren hat. Die öffentliche Aufbahrung wurde von zahlreichen Wegbegleitern besucht.
Die Landespolitik ehrte Ratzenböck im Rahmen einer Sondersitzung der Landesregierung und des oberösterreichischen Landtags. Diese fand am Freitag im Steinernen Saal des Landhauses in Linz statt. Am Samstag um 12 Uhr startete das öffentliche Requiem im Mariendom. Damit möglichst viele Menschen Platz finden, wurden zusätzlich zu den Sitzbänken noch weitere Sessel aufgestellt – rund 800 Sitzplätze standen zur Verfügung.
Die Totenmesse leitete Bischof Manfred Scheuer. Zwei Organisten begleiten mit einer Messe von Schubert die Zeremonie. Beim Auszug aus dem Mariendom spielte die Militärmusik Oberösterreich einen Trauermarsch und die Landeshymne – damit endete der offizielle Teil der Trauerfeier.
Josef Ratzenböck setzte sich sein Leben lang für Oberösterreich ein. Während seiner 18 Jahre als Landeshauptmann erlebte er große politische Umbrüche wie den Fall des Eisernen Vorhangs und den EU-Beitritt Österreichs. Am 11. Dezember 1989 schnitt er mit dem südböhmischen Kreisvorsitzenden Miroslav Senkyr am Grenzübergang Wullowitz den "Eisernen Vorhang" durch.
Die ÖVP Oberösterreich beschreibt sein Amtsverständnis als "Politik als Handeln am Nächsten". Eigentlich wäre Ratzenböck am liebsten Bauer geworden. Er selbst sah sich als "Arbeiter im Weinberg Oberösterreich". Seine Sprechtage am Dienstag, zu denen jeder kommen konnte, sind heute noch legendär.
Schon als Kulturlandesrat hat er 1977 die Gründung des Landesmusikschulwerks angestoßen, damit alle – egal woher – eine musikalische Ausbildung bekommen können. Bei der Landtagswahl 1979 schaffte er es, die absolute Mehrheit für die Volkspartei zurückzuholen und auch bei der Wahl 1985 zu halten.
Nach seinem Rückzug aus der Politik war er weiterhin geschätzt, weil er sich nie als politischer Zwischenrufer in die Tagespolitik einmischte, aber zu wichtigen Fragen immer eine klare Meinung hatte. Ratzenböck war ein überzeugter Europäer. Vor der EU-Wahl 2024 forderte er die nationalen Regierungen auf, "über den Schrebergarten des eigenen Landes hinauszudenken", wie der "ORF" am Wochenende berichtete.
Europa brauche eine starke politische Mitte, radikale Bewegungen sah er als Schaffer und nicht als Löser von Problemen. Vor der Nationalratswahl 2024 hat er betont: "Denkt immer auch an den Tag nach der Wahl. Je mehr man sich auseinandergelebt hat, desto schwieriger ist es, wieder zusammenzufinden."
Josef Ratzenböck wurde am 15. April 1929 in Neukirchen am Walde (Bez. Grieskirchen) geboren. Sein Vater war Gast- und Landwirt. 1952 begann er als Mitarbeiter des damaligen ÖVP-Landesparteisekretärs und späteren Landeshauptmanns Erwin Wenzl, den er 1977 als Landeshauptmann ablöste. Zu seinen ersten Aufgaben zählte die Gründung des OÖ Seniorenbundes. 1969 wurde er Landesparteisekretär, 1973 zog er in die Landesregierung ein und übernahm die Ressorts Finanzen und Kultur, bis er 1977 Landeshauptmann wurde. Seit 1954 war er mit Anneliese Ratzenböck verheiratet, gemeinsam haben sie zwei Kinder.