Spitäler-Chef Harnoncourt

Manager verdiente mehr als LH Stelzer – jetzt geht er

380.000 Euro Jahresgage kassierte Spitalsmanager Franz Harnoncourt – nach dem Tod einer Patientin muss er jetzt den Hut nehmen.
Oberösterreich Heute
18.11.2025, 10:47
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Er war der Top-Verdiener im oberösterreichischen Landesdienst – und muss nach zahlreichen Negativ-Schlagzeilen um das marode Gesundheitssystem seinen Hut nehmen: Franz Harnoncourt, Chef der Oberösterreichischen Gesundheitsholding (OÖG). Er tritt nach dem Tod einer 54-jährigen Patientin zurück. Seine Gage zuletzt: über 380.000 Euro im Jahr – fast 100.000 Euro mehr als Landeshauptmann Thomas Stelzer (288.722 Euro brutto).

Der Rücktritt erfolgt nach heftiger Kritik: Die Mühlviertlerin war wie mehrfach berichtet am 14. Oktober mit einem Aorta-Riss ins Spital Rohrbach gekommen, doch mehrere Kliniken – darunter das Kepler-Uniklinikum – lehnten eine Aufnahme ab.

Es habe keine Kapazitäten gegeben. Die Folge: Die Patientin starb. Der öffentliche Aufschrei war gewaltig, der Druck auf Harnoncourt enorm. Jetzt zog er selbst die Reißleine.

Die zuständige Gesundheitsreferentin LH-Stv. Christine Haberlander (ÖVP) bestätigte Montagfrüh: Harnoncourt habe sie um die vorzeitige Vertragsauflösung gebeten. Sie lobte ihn in einer Aussendung: "Die Entscheidung verdient Respekt. Ein solcher Schritt ist niemals leicht und erfordert persönliche Stärke ebenso wie großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Oberösterreichischen Gesundheitsholding."

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Er selbst spricht von "tiefgehenden Fragen und Spuren", die ihn zu dieser Entscheidung geführt hätten. Nach mehr als sieben Jahren im Amt sehe er seine Gestaltungsmöglichkeiten nicht mehr gegeben.

Brisant: Bis 2018 galt das Gehalt des Landeshauptmanns als Obergrenze für Manager in landeseigenen Unternehmen. Dann hoben ÖVP und FPÖ diese Regelung auf – um auch hoch bezahlte Führungskräfte aus der Wirtschaft an Bord zu holen. Der erste Landesmanager, der mehr als Stelzer verdiente, war ausgerechnet Harnoncourt – als Vorstand der OÖG und Geschäftsführer des Kepler-Klinikums.

Scharfe Kritik der SPÖ im Vorfeld

Die OÖG ist verantwortlich für zahlreiche Spitäler im Land, darunter auch das Kepler-Klinikum, in dem mehrere Spitzenverdiener arbeiten. Vier weitere Männer in der OÖG sollen mehr verdienen als Stelzer – sie bleiben anonym. Auch ein Dirigent (Markus Poschner), ein Bank-Vorstand (Klaus Kumpfmüller) und ein Prokurist der Lawog standen vor ein paar Monaten in der Gehaltsrangliste vor dem Landeshauptmann.

Die SPÖ ortet massive Ungleichheiten: "In den Top-Positionen verdienen nur Männer, in den schlechter bezahlten Bereichen arbeiten fast ausschließlich Frauen", wetterte im Sommer Klubobfrau Sabine Engleitner-Neu. Der mächtigste Spitalsmanager des Landes ist nun also  Geschichte – mit einer Gage, die er nur dank einer Gesetzesänderung überhaupt kassieren durfte.

{title && {title} } red, {title && {title} } 18.11.2025, 10:47
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