"Theoretisch" könnte eine Bodenoffensive Israels im Gazastreifen nach den Terror-Attacken der Hamas auf Israel direkt losgehen, so Oberst Berthold Sandtner von der Landesverteidigungsakademie des Bundesheers am späten Dienstagabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Martin Thür. Für eine solche Offensive seien alle Faktoren gegeben, von der Bereitstellung über die Mobilmachung bis hin zum Zusammenziehen starker Militärkräfte im Norden und der Abriegelung des Gazastreifens. Es fehle offenbar nur noch der politzische Befehl dazu, so Sandtner. Israel sei zwar von den Angriffen der Hamas überrascht worden, "aber nicht unvorbereitet auf sowas".
Man habe bereits im Gazastreifen interveniert, so der Oberst, das große Ziel, "die Hamas in ihren Grundefsten zu erschüttern", haben man aber nicht erreicht. Um das zu ändern, werde das israelische Militär nun sicher "mit dem Vorschlaghammer" vorgehen, auch angesichts der Opferbilder mit enthaupteten Babys in den von den Hamas angegriffenen Dörfern. Man müsse mit vielen Toten und Verletzten rechnen, so der Experte, der Ukraine-Krieg habe bereits gezeigt, was das für die im Gazastreifen eingeschlossenen Zivilisten bedeuten werde. Israel werde mit schwerem Gerät in den Gazastreifen einrücken, war sich Sandtner sicher.
Drohe die Situation zu eskalieren und zu einem Flächenbrand zu werden, weil auch von Syrien Raketen auf Israel geschossen habe und die USA Kräfte am Krisenherd zusammenziehen würden? Darauf gebe es bisher keine Anzeichen, auch wenn Israel auf so etwas vorbereitet sei, so der Experte. Ein ganz klares Zeichen sei aber das Zusammenziehen von US-Kräften als strategischer Partner Israels. Ein direktes Eingreifen der USA erwarte Sandtner derzeit nicht, es gehe eher um "Abschreckung und Warnung", möglicherweise auch um das Abwehren von Raketen, auch wenn der US-Flugzeugträger die Möglichkeit hätte, Angriffe auszuführen.
Die Hamas hätte eine Serie von Feiertagen ausgenutzt, die Kasernen seien deutlich geringer besetzt worden, doch selbst die Hamas sei überrascht gewesen, wie weit man nach Israel habe vordringen können, so der Oberst. Die islamistische Terrororganisation hatte bei ihren Angriffen auf Israel rund 150 Geiseln verschleppt. Israel reagierte auf die Angriffe und Entführungen mit großangelegten Luftanschlägen und einer Abriegelung des Gazastreifens – die Hamas wiederum droht, alle Geiseln zu töten, sollte es zu einer Bodenoffensive Israels im Gazastreifen kommen.