Klimaschutz

Öko-Kritik: Tirol bei Klimapolitik am falschen Dampfer

Scharfe Kritik an Tirols Klimapolitik. Das Land sei "auf einem Irrweg", etwa beim Ausbau des Kraftwerks Kaunertal. Die ÖVP wies die Kritik zurück.

Heute For Future
Öko-Kritik: Tirol bei Klimapolitik am falschen Dampfer
Dem einzigartigen Naturjuwel Platzertal könnte ein baldiges Ende drohen. Der landeseigene Energieversorger Tiwag und das Land Tirol wollen hier ein Wasserkraftwerk bauen.
Sebastian Frölich

Eigentlich ambitionierten Klimaschutzplänen würden mangelnde Umsetzung und "kontraproduktive Projekte" gegenüberstehen, so die Umweltschutzorganisation Global 2000 am Dienstag in einer Aussendung.

Vor allem kritisch äußerte sich Global 2000 zum geplanten Kraftwerksausbau im Kaunertal. Statt des Kraftwerks müsse verstärkt auf weniger Stromverbrauch gesetzt werden. Außerdem ortet Global 2000 in ihrer Analyse einen zu sehr auf Wasserkraft ausgelegten Strommix.

Der Energiesprecher der Tiroler ÖVP, Martin Mayerl, betonte gegenüber der APA, dass "mit einer Verhinderungs-Grundhaltung die Energiewende sicherlich nicht gelingen wird". Er verlangte deshalb auch von den Umweltschützern ein klares Bekenntnis zum weiteren Ausbau der Wasserkraft.

Zu wenig Strom aus Wind und Sonne

Strom wird in Tirol großteils aus Wasserkraft produziert. Andere erneuerbare Energiequellen wie PV-Anlagen oder Windkraft spielten hingegen kaum eine Rolle, kritisierte Global 2000. Der Ausbau laufe nur schleppend.

Beim Ausbau der Wasserkraft "lässt das Land Tirol die Berücksichtigung der Naturverträglichkeit völlig außer Acht", kritisierte Global 2000-Klimasprecherin Viktoria Auer vor allem das Projekt Kaunertal scharf. Der Ausbau des Kaunertal Kraftwerks sei "der Inbegriff dessen, was bei der Energiewende in Tirol alles falsch läuft".

Wichtige Lebensräume und Moore sollen zerstört werden. Die Bedürfnisse der Menschen werden ignoriert und das Wasser aus dem wasserarmen Ötztal soll abgeleitet werden.
Viktoria Auer
Klimasprecherin von Global 2000

Auch dass die Landesregierung plant, erst im Jahr 2050 unabhängig von fossilen Energien zu werden, sieht Auer kritisch. Probleme würden "in die Zukunft ausgelagert". Global 2000 fordert, dass sich Tirol am Bund orientiert. Dieser habe sich zum Ziel gesetzt, bereits 2040 die Klimaneutralität zu erreichen.

Auch beim Thema Mobilität laufe nach Ansicht von Global 2000 einiges falsch. Der Anteil an Autos sei nur leicht reduziert und jener an öffentlichen Verkehrsmitteln nur leicht gesteigert worden. Es sei zudem nötig, neben E-Wagen auch Fahrrad und Fußwege zu forcieren.

Klima-Schlusslicht Tirol

In allen anderen Bundesländern außer Tirol seien etwa seit 2010 Treibhausgasemissionen zumindest leicht reduziert worden. Tirol liege mit einem Minus von nur 0,2 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz im Bundesländervergleich.

Trotz eigener Zielsetzung sei zudem der Energieverbrauch in den vergangenen zehn Jahren kaum gesenkt worden – seit 2010 nur um 1,7 Prozent. Das liege unter anderem am hohen Anteil von Öl- und Gasheizungen.

Diesbezüglich sei Tirol im Bundesländerranking "abgestürzt" und liege vor Wien (47,1 Prozent) mit 38,3 Prozent auf dem vorletzten Platz. Zwar habe man den Anteil an Ölheizungen reduziert, Gas jedoch ausgebaut. "Damit steigt man von einem fossilen Energieträger auf einen anderen um", kritisierte Auer.

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    Letzte Generation Österreich / zVg

    Auf den Punkt gebracht

    • In Tirol wird scharfe Kritik an der Klimapolitik laut, besonders hinsichtlich des Ausbaus des Kraftwerks Kaunertal
    • Die Umweltschutzorganisation Global 2000 bemängelt mangelnde Umsetzung ambitionierter Klimaschutzpläne und sieht den Fokus zu einseitig auf Wasserkraft
    • Global 2000 fordert eine verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne sowie eine Reduzierung des Stromverbrauchs
    red
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