Umweltallianz fordert Stopp für Kraftwerk Kaunertal

Wie viel Natur darf man zerstören, um saubere Energie zu gewinnen? Aus ökologischer Sicht wäre der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal ein Desaster.
Wie viel Natur darf man zerstören, um saubere Energie zu gewinnen? Aus ökologischer Sicht wäre der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal ein Desaster.TVB Tiroler Oberland Kaunertal / OTS
Umweltschützer protestieren in Tirol gegen den Bau des Kraftwerks Kaunertal. Es brauche eine naturverträgliche Energiewende, statt weiterer Verbauung.

Eine aus 40 Vereinen und Wissenschaftern bestehende Umweltallianz forderte am Freitag in einer Erklärung den sofortigen Ausbau-Stopp des Kraftwerks Kaunertal. Anstelle einer weiteren Verbauung alpiner Naturräume brauche es eine naturverträgliche Energiewende, mahnte Bettina Urbanek von WWF Österreich in Innsbruck und verwies auf das große Potenzial der Solarkraft.

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Die Pläne für das Mega-Pumpspeicherkraftwerk waren erstmals 2009 eingereicht worden. Die Umweltverträglichkeitsprüfung für die rund zwei Milliarden Euro teure Erweiterung des Kraftwerks Kaunertal befindet sich aktuell in der Vollständigkeitsprüfung.

Verheerende Folgen für Naturlandschaft

Für das Projekt plant der landeseigene Energieversorger Tiwag bis zu 80 Prozent des Wassers aus dem 34 Kilometer entfernten Ötztal - einem der niederschlagsärmsten Täler Tirols - auszuleiten. Zudem würden im Platzertal neun Fußballfelder an Moorflächen geflutet. Mit seinen 120 Metern wäre der Staudamm fast so hoch wie der Stephansdom in Wien und sieben Mal so hoch wie das Goldene Dachl.

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Die Umweltallianz prangerte nun in der vom WWF initiierten "Kaunertal Erklärung" "verheerende Folgen für die hochsensible Naturlandschaft", die Zerstörung der letzten "unbeeinträchtigten Alpenflüsse" und eine Verschlimmerung der Biodiversitätskrise an. Zudem käme es zu "verstärkten Schwall- und Sinkerscheinungen im Inn". Urbanek sah in dem umstrittenen Ausbau ein "Sinnbild fehlgeleiteter Energiepolitik", vor allem weil sich eine Energiewende ihrer Ansicht nach mittels Ausbau von Photovoltaik-Anlagen "schneller und effizienter" lösen ließe.

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Landesregierung und Tiwag für Ausbau der Wasserkraft

"Wir müssen sämtliche in Tirol verfügbaren Ressourcen - und vor allem auch die Wasserkraft - bestmöglich nutzen, damit uns niemand mehr den Gas- oder den Ölhahn abdrehen kann", sagte Energielandesrat Josef Geisler (ÖVP) gegenüber der APA.

"Sowohl für die Erreichung der Klimaziele als auch die Stärkung der Tiroler Energieunabhängigkeit ist die Erweiterung des Kraftwerks Kaunertal ein Gebot der Stunde", schlug Tiwag-Bauvorstand Johann Herdina auf APA-Nachfrage in dieselbe Kerbe.

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Nach der Fertigstellung würden rund 787 Millionen Kilowattstunden pro Jahr aus natürlichem Zufluss zusätzlich erzeugt. Damit können rund 300.000 Tonnen CO2 jährlich gespart werden, wurde betont.

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