Am kommenden Freitag findet in Linz der 42. ordentliche Landesparteitag der Volkspartei Oberösterreich statt. Der Termin fällt mitten in die Urteilsphase des Postenschacherprozesses rund um ÖVP-Klubobmann August Wöginger. Um hier einen klaren Schnitt zur Landespartei zu setzen, tritt der Innviertler nicht mehr als Stellvertreter von Landeshauptmann Thomas Stelzer an.
Stelzer selbst muss 2027 bei der Landtagswahl wieder antreten. Wer Spitzenkandidat wird, entscheidet sich jetzt aber noch nicht – gewählt wird vorerst nur der Landesparteivorstand. Wie der ORF berichtet, soll damit für Ruhe und Abstand gesorgt werden.
Für das Amt des Vize kandidiert diesmal Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Stelzer, der seit neun Jahren Landeshauptmann und Chef der Partei in Oberösterreich ist, stellt sich nach 2022 erneut der Wiederwahl.
Damals bekam er 97,1 Prozent der Stimmen der Delegierten. Auch seine bisherigen Stellvertreterinnen – Wirtschaftsbund-Landesobfrau und Wirtschaftskammerpräsidentin Doris Hummer, ÖAAB-Landesobfrau und Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander sowie Bauernbund-Landesobfrau und Landesrätin Michaela Langer-Weninger – treten wieder an.
Zum Parteitag werden 1.500 Funktionäre erwartet, außerdem Bundeskanzler Christian Stocker, der ins Linzer Design Center kommt. Das Motto lautet "Unsere Kraft. Unser Einsatz für Oberösterreich". Die Landespartei betont, dass es im kommenden Jahr um "ernsthafte Politik mit klaren Entscheidungen für Oberösterreich und die Menschen im Land" gehen soll. Auch wenn der Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027 am Freitag noch nicht gewählt wird, dürfte das Thema am letzten Parteitag vor der Wahl trotzdem eine Rolle spielen.
Die Umfragen sind für die ÖVP derzeit wenig erfreulich. Laut aktuellen Erhebungen wird es für die Landeshauptmann-Partei schwierig, das Ergebnis vom 26. September 2021 zu halten. Damals erreichte die ÖVP mit einem Plus von 1,2 Prozentpunkten 37,6 Prozent. Meinungsforscher von Spectra sehen die ÖVP im traditionell schwarzen Bundesland nicht mehr als stärkste Kraft. Die FPÖ, seit 2015 Koalitionspartner der ÖVP, könnte erstmals die Nummer eins im Land werden.
Ende November 2025 zeigte eine Spectra-Umfrage in den "Oberösterreichischen Nachrichten" der ÖVP nur noch 25 Prozent, während die FPÖ auf 35 Prozent kam. Auch bei Stimmungsbildern, die von der ÖVP selbst bei IMAS und M&R in Auftrag gegeben wurden, lagen die Blauen schon bis auf vier Prozentpunkte an der Volkspartei dran. Gewählt wird im September 2027. Schon jetzt wirft diese Schicksalswahl für OÖ ihre Schatten voraus.