Irre "GTA-Aktionen" in Wien

Ohne Pickerl – Mäci-Fahrt mit Mercedes endet im Wald

Mit einem nicht verkehrssicheren Retro-Benz "brauste" ein Wiener mit 95 km/h ("mehr geht nicht") vor Beamten davon. Der Lenker wurde im Wald gefasst.
Christian Tomsits
12.07.2026, 18:29
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Mit gestohlenen Kennzeichen, einer äußerst klapprigen Karosse ohne Pickerl, mit offenen Verwaltungsstrafen und auch noch ohne Führerschein: Unter eher schlechten Voraussetzungen wollte ein Wiener (26) seinen Cousin (33) und einem weiteren Verwandten (28) Anfang Mai gegen Mitternacht nach Floridsdorf zum Mäci ausführen.

Doch schon auf der Tangente wurde der Plan von Blaulicht und Folgehorn durchkreuzt. Der verdächtige Mercedes wurde von Beamten entdeckt und angehalten. Doch statt den Anweisungen der Beamten Folge zu leisten, trat der Mercedes-Fahrer aufs Gaspedal – so gut es eben ging –  und bog in der letzten Sekunde Richtung Ölhafen ab.

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Wenig später begann eine mehr oder weniger wilde Verfolgungsjagd mit knapp unter hundert Sachen. "Das Fahrzeug geht halt nicht schneller als 95 km/h – aber mir tut mein Verhalten leid", bremste sich der von Michael Babic (Kanzlei Rast) bestens gebriefte "Bleifuß" vor Gericht ein, bekannte sich schamhaft zusammengekauert und mit Schmollmund "schuldig". – "Warum die wilden GTA-Aktionen in der Lobau?" wollte der Richter wissen – schließlich war der Führerscheinlose bereits Tage zuvor einmal mit gestohlenen Nummerntaferln ertappt worden und hatte sich mit dem Zweitschlüssel das abgeschleppte Auto zurückgeholt.

"Ich hatte einen Blackout", so die Antwort des arbeitslosen Angeklagten. "Das muss allerdings fast zwanzig Minuten gedauert haben", schüttelte der Richter mit dem Kopf an.  Denn die ebenso lange "filmreife" Verfolgungsjagd wurde gefilmt. Mehrfach sieht man auf dem Polizeivideo, wie der Mercedes in den Gegenverkehr ausschert – "im Gegenverkehr quietschten die Reifen", so ein Beamter im Zeugenstand. Einmal wurde sogar sein Polizeiauto gerammt. Die Flucht endete schließlich in der Lobau mit einem Crash in einen Baum, zu Fuß kamen die drei Insassen im Wald nicht weit.

Schmerzhaft: Bei der Festnahme zog sich ein Beamter einen Kapselriss im kleinen Finger zu, blieb sechs(!) Wochen im Krankenstand. "Es sieht zwar ein bisschen aus wie Cobra 11, aber mein Mandant wollte sicher niemandem wehtun", so der Verteidiger. "Cool war es nicht, aber auch nicht gefährlich", meinte der Beifahrer.

Urteil für Fluchtfahrt durch Wien: 1 Jahr Haft

Der Richter verurteilte den Lenker zu zwölf Monaten teilbedingter Haft, drei davon unbedingt. In ein paar Tagen kommt der Inhaftierte durch die Anrechnung der U-Haft bereits wieder auf freien Fuß, seine zahlreich erschienenen Verwandten im Saal atmeten auf – das Auto sollte er dann jedoch besser stehen lassen.

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