Worum es genau ging

Oligarch packt über Geheimgespräch mit Putin aus

Russlands Milliardär Andrei Melnitschenko hat erstmals Details über ein mehr als einstündiges Gespräch mit Wladimir Putin veröffentlicht.
Newsdesk Heute
25.07.2026, 10:17
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Wladimir Putin hat einem der reichsten Männer Russlands ungewöhnlich lange Gehör geschenkt. Der Milliardär Andrei Melnitschenko sprach in einem ausführlichen Interview mit dem britsischen "Economist" erstmals über sein persönliches Treffen mit dem Kreml-Chef, den Ukraine-Krieg, westliche Sanktionen und seine Vorstellungen für Russlands Zukunft.

Aussagen russischer Oligarchen über Wladimir Putin sind grundsätzlich mit Vorsicht zu bewerten. Viele der einflussreichen Unternehmer verdankten ihren Reichtum dem politischen System in Russland und standen dem Kreml über Jahrzehnte nahe. Gleichzeitig sind Einblicke in interne Gespräche oder Entscheidungsprozesse oft kaum unabhängig überprüfbar. Ob Schilderungen vollständig, selektiv oder von persönlichen Interessen geprägt sind, lässt sich daher häufig nicht eindeutig feststellen. Berichte über Geheimgespräche liefern trotzdem interessante Einblicke in den Machtapparat Russlands.

Das Treffen fand am 28. Mai 2025 im Kreml statt und dauerte laut Melnitschenko mehr als eine Stunde. Es war das erste persönliche Gespräch zwischen dem Unternehmer und Putin. Der russische Präsident empfing ihn nach Mitternacht, bat ihn, neben ihm Platz zu nehmen, und bot ihm Tee an.

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Als Putin fragte, ob ihn jemand belästige, antwortete Melnitschenko offen: "Wladimir Wladimirowitsch, ganz ehrlich, ich verstehe, dass die Leute normalerweise aus einem von zwei Gründen zu Ihnen kommen. Entweder haben sie Angst, es gibt ein Problem. Oder sie wollen etwas – eine Position, einen Gefallen … Was die Angst angeht: Natürlich habe ich Angst, zu 100 %, wie jeder andere auch."

Im weiteren Gespräch erklärte der Unternehmer, warum sich seine Sicht auf Russland und den Westen grundlegend verändert habe. Der Krieg gegen die Ukraine, die Sanktionen und die geopolitischen Spannungen hätten seine Vorstellung einer globalisierten Wirtschaft zerstört. "Die Welt hat sich als nicht so herausgestellt, wie ich dachte. Es gibt keine globale Welt. Es gibt keine globalen Regeln … Du hast das früher verstanden als wir", sagte Melnitschenko zu Putin.

Putin sieht sich bestätigt

Der Milliardär räumte zudem ein, dass Russlands Wirtschaftselite einen Fehler gemacht habe. Viele Unternehmer hätten ihr Geld in Russland verdient, ihre Vermögen und Familien aber im Westen abgesichert. "Man kann nicht ein Land zum Geldverdienen haben und ein anderes für Sicherheit, die Zukunft der Familie und das echte Leben", sagte Melnitschenko und dankte Putin dafür, ihm die Augen geöffnet zu haben.

Laut dem Bericht reagierte Putin zufrieden. Der Präsident habe russische Oligarchen seit Jahren davor gewarnt, sich auf den Westen zu verlassen. Nach Beginn des Ukraine-Krieges und den folgenden Sanktionen seien viele Unternehmer wieder stärker an Russland gebunden worden.

Auch Melnitschenko selbst wurde bereits wenige Tage nach Kriegsbeginn von der EU mit Sanktionen belegt. Er übertrug daraufhin das Eigentum an EuroChem auf seine serbische Ehefrau. Als Putin nach ihrer Herkunft fragte und er mit "Sie ist Serbin" antwortete, entgegnete der Präsident: "Nun, Serben sind anständige, ehrliche Menschen. Sie werden es nicht stehlen."

Rückkehr nach Russland

Melnitschenko beschreibt sich weder als Gegner des Krieges noch als dessen Befürworter. Seine Unternehmen produzieren unter anderem Ammoniak, das auch für Munition verwendet wird, und arbeiten laut seinen Angaben mit den russischen Streitkräften zusammen, um Werke vor Angriffen zu schützen.

Nach eigenen Angaben habe er zunächst gehofft, der Krieg werde rasch enden und die internationale Ordnung bestehen bleiben. Später sei ihm klar geworden, dass dies nicht eintreten werde. "Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, kein anderes Land außer Russland zu haben", sagte der Unternehmer.

Er verbringe inzwischen wieder deutlich mehr Zeit in Russland und habe begonnen, mit Politikern, Unternehmern, Journalisten sowie Vertretern unterschiedlicher politischer Lager über die Zukunft des Landes zu sprechen.

Vier Szenarien für Russlands Zukunft

Melnitschenko sieht vier mögliche Entwicklungen für Russland: eine Rückkehr in die westliche Ordnung als abhängiger Staat, eine stärkere Bindung an China, einen Bürgerkrieg oder eine weitgehende Abschottung nach nordkoreanischem Vorbild. Alle vier Szenarien bewertet er negativ.

Als Alternative schlägt der Milliardär ein "souveränes" Russland vor, das sich auf die Interessen seiner eigenen Bevölkerung konzentriert, Eigentumsrechte schützt und nach außen berechenbar handelt. Das bestehende Machtgefüge um Putin stellt er dabei nicht grundsätzlich infrage. Stattdessen bietet er der Führung seine Mitarbeit an und will nach eigenen Angaben dazu beitragen, Russlands Zukunft mitzugestalten.

Dabei ist ihm nach eigener Einschätzung bewusst, dass ein solches Engagement Risiken birgt. "Jeder Schritt, der über stillschweigende Zustimmung hinausgeht, birgt Risiken", sagte Melnitschenko. "Es wäre naheliegend, sich zurückzuhalten. Aber es steht zu viel auf dem Spiel, und wer sich nicht beteiligt, schließt sich selbst von seiner eigenen Zukunft aus."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 25.07.2026, 10:22, 25.07.2026, 10:17
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