In den 1950er- oder 1970er-Jahren des letzten Jahrhunderts stellte man sich den Opel-Fahrer als relativ biederen Bürger mit Hut und Hosenträgern vor. Zuverlässig und langlebig hatte dessen Auto zu sein, keinesfalls mondän oder auffällig. Mit dem Opel Monza verabschiedete sich Opel 1977 von diesem Image.
Den ersten Schritt in eine sportlichere Richtung hatte Opel 1968 mit dem GT gemacht, 1970 folgte der erste Manta. Im September 1977 standen dann auf dem Stand von Opel an der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zwei brandneue Spitzenmodelle namens Senator (Limousine) und Monza (Coupé).
Nähere Angaben dazu waren zu diesem Zeitpunkt allerdings noch wenige zu bekommen, einzig die Motordaten – 3 Liter Hubraum, 180 PS – wurden kommuniziert und dass hinten eine moderne Einzelradaufhängung für Komfort und Fahrsicherheit sorgen solle. Tatsächlich war die Modellentwicklung zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz abgeschlossen, so sollen die Ausstellungsfahrzeuge sogar noch Kunststoffkarosserien gehabt haben, wird kolportiert. Das Publikum zeigte sich begeistert, einer Serienfertigung stand nichts im Wege.
Konkurrenzloses Coupé
Der Produktionsbeginn erfolgt ein halbes Jahr später, die Presse erhielt im April 1978 erstmals Gelegenheit, im neuen Senator/Monza Platz zu nehmen und Probefahrten durchzuführen. Eifrig wurde denn auch über den Wiedereintritt von Opel in die Oberklasse berichtet, schließlich fehlte seit dem Auslaufen von Diplomat und Co. im Jahr 1977 ein Nachfolgemodell in der Opel-Palette.
Während die Limousine klar definierte Gegner in Form von BMW 5er-Reihe, des Ford Granada, des Mercedes-Benz 280 E oder des Citroën CX GTi hatte, war das Coupé Monza gewissermassen einzigartig. "Wo das Vorbild fehlt, muss man es schaffen", texteten die Opel-Werber.
Ein Schrägheck-Coupé mit eigenständiger Linie (wenn auch nur zwischen A-Säule und Heckabschluss) und Heckklappe (sowie umklappbaren Rücksitzen) bot kaum jemand in dieser Klasse an. Und die Form gefiel in ihrer kantigen und gleichwohl eleganten Linienführung.
Monza for Men?
55 Prozent der Monza-Käufer griffen beim Spitzenmodell zum Schaltgetriebe, ließen also die Dreigangautomatik links liegen. 31,8 Prozent wählten in den Anfangsjahren zudem das S-Paket mit strafferen Federn. Wenn man daraus eine starke Vormachtstellung männlicher Käufer ableiten will, liegt man wohl kaum völlig falsch.
Rund 215 km/h schnell war das Spitzenmodell und in 8,5 Sekunden waren aus dem Stand 100 km/h erreicht. Damit konnte man mit dem deutlich teureren BMW 630 CS mithalten und einen Mercedes 280 C abhängen. Zudem lag der Opel fast wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße.
Sachlich jedenfalls gibt es am Opel Monza nur wenig auszusetzen, selbst 30 Jahre und mehr nach seiner Herstellung. In den Recaro-Sitzen der GSE-Version legt man auch lange Strecken stressfrei und komfortabel zurück. Die Bedienung gelingt auch ohne Handbuch auf Anhieb. Der Sechszylinder wird per Zündschloss links an der Lenksäule gestartet und verfällt sofort in einen ruhigen Leerlauf.
Die 180 PS reichen locker, um das rund 1,4 Tonnen schwere Coupé zu beschleunigen. Das straffe Fahrwerk verleiht dem immerhin 4,72 Meter langen und 1,72 Meter breiten Coupé zusammen mit der Servolenkung eine überraschende Handlichkeit. Kurven aller Art werden souverän gemeistert. Ein echtes Vergnügen! Wenn nur mehr Monza überlebt hätten.
Weitere Informationen, viele Bilder, einen Prospekt und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.
(red)