Österreichs Speed-Asse tasten sich nur langsam an die schier übermächtigen Schweizer Stars heran. Plötzlich machen die Italiener den dominanten Schweizern harte Konkurrenz. Spätestens nach dem ersten Abfahrtstraining in Kitzbühel kochen nun auch im Ski-Zirkus die Material-Spekulationen hoch.
Auslöser ist die auffällige Form der Konkurrenz – und der schwache ÖSV-Auftritt auf der Streif. Beim Trainingsauftakt am Dienstag fuhr Giovanni Franzoni Bestzeit, die Österreicher landeten geschlossen im hinteren Feld. Franzoni hatte schon in Wengen mit Trainingsbestzeiten und dem Sieg im Super-G groß aufgezeigt. Vincent Kriechmayr war als 16. bereits mehr als eineinhalb Sekunden zurück, Marco Schwarz fehlte nach seiner krankheitsbedingten Abreise aus Wengen immer noch.
In diesem Kontext machen seit Tagen Gerüchte über ein mögliches "Wunderwachs" die Runde. ORF-Experte Hans Knauß hatte bereits in Wengen angedeutet, dass einige Nationen "etwas gefunden haben" könnten. Auffällig sei vor allem das italienische Team: Läufer seien vorne, die sonst beim Gleiten nicht zu den Schnellsten zählen.
Auch Daniel Hemetsberger schließt einen Materialvorteil der Konkurrenz nicht aus. "Es ist durchaus im Bereich des Möglichen", sagte der Oberösterreicher in der ServusTV-Sendung Sport und Talk. Ähnlich vorsichtig äußerte sich Ex-Kitz-Sieger Fritz Strobl: Er habe gehört, dass Schweiz, Italien und Deutschland mit bestimmten Firmen enger zusammenarbeiten und neue Produkte früher bekommen – Beweise dafür gebe es aber keine.
Ein Indiz sind die extrem schnellen Zeiten auf der Streif. Fritz Strobls legendärer Streckenrekord wird heuer 29 Jahre alt. Aber, so Kriechmayr: "Er könnte am Samstag schwitzen." Neben den hervorragenden Pistenbedingungen könnte auch das Material der Formstärksten eine Rolle spielen. Im ersten Abfahrtstraining blieb Franzoni mit 1:52,87 Minuten Fahrzeit nicht weit über dem Rekord (1:51,58). Hemetsberger: "Ich glaube, jetzt ist es soweit. Eine Sekunde schneller geht bei den Topleuten sicher noch."
Naturgemäß gelassen reagierte Italiens Speed-Star Dominik Paris. Der Südtiroler kommentierte die Diskussion mit einem Grinsen: "Ich wachse die Skier nicht – ich fahre sie nur!"
Das zweite Training von Kitzbühel steigt schon am Mittwoch und könnte neue Aufschlüsse bringen. Am Freitag wird es richtig ernst: Der Super-G bildet den Auftakt des Hahnenkamm-Wochenendes, gefolgt von der Abfahrt am Samstag, dem Slalom am Sonntag.
Der neue Mann der Stunde, Franzoni, konnte übrigens bereits vorige Saison mit Platz vier in Beaver Creek aufzeigen. In Kitzbühel wurde er dann 10. im Super-G, 14. in der Abfahrt. Der Knoten platzte dann vergangenen Dezember mit dem ersten Stockerl als Dritter im Super-G von Gröden. In Wengen gewann der 24-Jährige den Super-G, wurde Dritter in der Abfahrt. Plötzlich scheint er in der Weltspitze angekommen zu sein.
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