Niederösterreich

Ortsbild-Auflagen! PV-Anlage kostet Frau 10.000 € mehr

Unter Strom steht eine Hausbesitzerin, wenn sie an ihre geplante Photovoltaik-Anlage denkt. Denn: Behördenauflagen machen das Projekt unleistbar.
Isabella Nittner
03.09.2023, 15:56
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Die Stadt Klosterneuburg – im Grünen, aber dennoch gut an die östlich angrenzende Bundeshauptstadt angebunden – erfreut sich seit vielen Jahren stetigem Zuzug. Knapp 28.000 Einwohner zählt die Babenbergerstadt bereits.

Besonderes Augenmerk legt die Politik deshalb schon seit Jahren auf das Thema "Bauen und Wohnen". Seit 2015 gibt es so genannte Schutzzonen mit besonders strengen Bauauflagen, die das "ensemblewirksame" Ortsbild schützen sollen, wenige Jahre später wurde ein eigenes Stadtentwicklungskonzept präsentiert, das angibt, in welche Richtung es in Zukunft gehen soll.

"Reine Schikane"

Doch während in Klosterneuburg immer noch gefühlt an jeder Ecke ein Baukran steht, der Mehrparteienhäuser mit sündteuren Eigentumswohnungen aus dem Boden stampft, ärgern sich zahlreiche "einfache" Häuslbauer schwarz: Vor Kurzem einigte sich die Politik beispielsweise darauf, dass jedes neu gebaute Flachdach verpflichtend begrünt werden muss – "Heute" berichtete.

Anlagen zur Nutzung von Sonnenenergie sind flächenbündig in die Dachhaut zu integrieren, heißt es in der Bebauungsvorschrift.
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Vielerorts werden Bauwerber von der Behörde zudem dazu verdonnert, Ortsbild-Gutachten einzuholen. "660 Euro musste ich für eine Beurteilung meiner geplanten Zaun-Optik hinblättern. Und mein Haus steht weit (!) entfernt von irgendeiner Schutzzone", schildert ein Häuslbauer (35) im "Heute"-Gespräch. Auch eine örtliche Architektin berichtet: "Es ist so mühsam geworden. Manchmal hab' ich das Gefühl, es ist reine Schikane."

Richtig sauer ist auch Christine K. (Name geändert, Anm.). Die Klosterneuburgerin ist Besitzerin eines kleinen Einfamilienhauses in einer der Schutzzonen im Stadtgebiet. Um eine Photovoltaik-Anlage auf ihrem Dach montieren zu dürfen, holte sie Kostenvoranschläge ein und ließ vom Architekten einen eigenen Plan für die Bewilligung durch die Baubehörde zeichnen. 

Eine Baubewilligung ist in dem Fall verpflichtend. "Außerhalb der Schutzzone darf man übrigens PV-Paneele auf's Dach montieren wie man lustig ist, da braucht man auch keine Bewilligung", ärgert sie sich.

Laut der Klosterneuburger Bebauungsvorschrift müssen Photovoltaik-Anlagen auf Häusern in Schutzzonen aber "flächenbündig in die Dachhaut integriert werden". "Also nicht die übliche Variante: Haken mit Schienen auf's Dach, Paneele drauf - fertig. Sondern Dachziegel abdecken, Paneele direkt auf den Dachstuhl und rundherum soll der Spengler dann schauen, wie er das alles wieder dicht kriegt", schildert die Betroffene, die das Dach erst vor rund 15 Jahren generalsanieren ließ, gegenüber "Heute". Außerdem soll die Bauwerberin die Position der Paneele korrigieren. Und das, obwohl die effizienteste Positionierung durch eine Fachfirma errechnet wurde.

Was das alles zusätzlich kosten würde, ließ sich Christine K. von den Fachfirmen dann auch vorrechnen: Satte 10.000 Euro müsste sie zusätzlich hinblättern. Rechnet man die Mehrkosten an Strom für die Zusatzarbeiten auch noch hinzu, sind es rund 13.000 Euro.

K. bekam von der Baubehörde bzw. dem Ortsbild-Gutachter einen "Verbesserungsauftrag" übermittelt. Die Bewilligung könne man geben, sofern die Auflagen (flächenbündig, in die Dachhaut integriert, Paneel-Position korrigiert) erfüllt würden, so die Rückmeldung kurzum. "Ich hab dann beschlossen, dass ich mir dies so nicht gefallen lasse, und mich mit der Umsetzung dieser Empfehlung nicht einverstanden erklärt. Somit hab ich jetzt den negativen Bescheid bekommen. Gegen den berufe ich jetzt", so die Klosterneuburgerin, die nicht klein beigeben will.

„"Der Interessenkonflikt zwischen Photovoltaik und Ortsbild ist uns in Klosterneuburg natürlich bewusst." – Johannes Edtmayer, Stadtrat (Grüne)“

"Vorgabe geändert"

"Der Interessenkonflikt zwischen Photovoltaik und Ortsbild ist uns in Klosterneuburg natürlich bewusst", sagt der für Schutzzonen zuständige Stadtrat Johannes Edtmayer (Grüne) auf "Heute"-Anfrage. Laut dem Politiker habe erst kürzlich ein neuer Beschluss den Gemeinderat passiert, der die Installation von PV-Anlagen in Schutzzonen vereinfachen soll. Demnach sollen die strengen Vorgaben – Stichwort "flächenbündig" – nur noch dort gelten, wo das Dach mit den Paneelen vom öffentlichen Raum einsehbar ist.

Christine K. bringt das recht wenig. Da sich vor ihrem Haus die Straße und eine Promenade am Bach kreuzen, hätten Spaziergänger Sicht auf die Photovoltaik-Anlage. "Ich hoffe auf eine Änderung der Bebauungsvorschriften in Richtung Vernunft und Nachhaltigkeit, weil was bringen die hübschen alten 'ensemblewirksamen Gebäude', wenn uns der Klimawandel umbringt?" fragt K.

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